Kuckucksnest Kosovo
Die Pediküre kann warten. Die Unabhängigkeit nicht.» Der Regisseur maßregelt eine Schauspielerin, die den nächsten Tag mit Kosmetik beginnen will. «Ab neun Uhr wird geprobt, es geht um nationale Interessen!» Ein neues Theaterstück soll entstehen, aus Anlass der Unabhängigkeit des Kosovo. Urplötzlich brach der Auftrag über die staatliche, aber seit Monaten nicht bezahlte Truppe herein – per Bote, direkt aus dem Ministerium für Sport (und Kultur). Die Regierung will ein patriotisches Stück, das aber trotzdem «modern» sein soll.
Darin eingeschlossen eine Rede des Premierministers, die direkt auf der Bühne verlesen wird um das Epos würdig abzuschließen. Dann ist er frei, der Kosovo. Und die Kunst?
Der Regisseur setzt sich gegenüber dem Staatssekretär in Szene und träumt von Poesie, National- und europäischer Hymne. Er sieht die Risiken der Unternehmung, aber auch die Chancen: Und wenn es gefällt? Wenn sich dadurch Türen öffnen nach Europa oder gar bis an den Broadway? Das wäre wie ein Lotteriegewinn, ist doch der Kosovo, wie sie in Pristina gebetsmühlenartig wiederholen, das einzige Land der Region, das weiter einem Visumzwang für die EU unterworfen bleibt. Doch es dauert nicht lange, ...
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Theater heute März 2013
Rubrik: Ausland: Kosovo, Seite 42
von Thomas Hahn
Als es im syrischen Krieg noch Hoffnung gab, machte ein Video-Appell an Diktator Bashir al-Assads schöne junge Frau Asma die Runde: «Wenn deine Kinder fragen, was du getan hast, um das Blutvergießen zu stoppen, was wird deine Antwort sein?», fragten darin die Ehefrauen zweier Diplomaten und sammelten Unterschriften von zig-tausenden Kriegsgegnern. Asma al-Assads...
Gibt es eine Erklärung für den Gelegenheitsmord der netten, klugen 17-Jährigen Stephanie und Cat an ihrem Kumpel Stephen? Wahrscheinlich schon. Vielleicht aber auch nicht. Tot ist er trotzdem. – Simon Stephens’ «Morning» im Jungen Theater Basel ist ein beiläufiges Stück, das man nicht übersehen sollte.
Wie geht es weiter am Frankfurter Mousonturm? Martine Dennewald...
Alceste hat eine Portion üble Laune gefrühstückt. Jetzt kotzt er sich aus. Gründlich, wenn auch ohne Grund. Einen Anlass braucht Alceste nicht, prinzipielle Abscheu gegen Freund und Feind genügt völlig, nicht umsonst ist er als Molières «Menschenfeind» bekannt.
Michael Maertens hat für seinen Zürcher Alceste die Misanthropie in der Tat in sich hineingefressen....
