Daten
Neue Stücke
Anfang der Spielzeit erklärte der Kritiker Peter Kümmel den Zombie zum Paradigma der Theatergegenwart: Um ihre aufgeklärte, vulgo blasierte Distanz zu fiktiven Figuren zu demonstrieren, würden die Schauspieler sie nur als Halbtote interpretieren. Umso interessanter ist da natürlich ein Stück zeitgenössischer Dramatik, in dem die Figuren von vornherein als Zombies konzipiert sind wie in Christian Lollikes Drama «Die lebenden Toten» (R. Tilmann Köhler) am Staatsschauspiel Dresden.
Darin bewegt sich eine wasser- und kälteresistente Zombie-Armee übers Mittelmeer auf Europa zu. Wir sind gespannt auf den blasierten Einfühlungswiderstand! – Auch Sascha Hargesheimers «Die europäische Wildnis, eine Odyssee», eine Koproduktion des Schauspiel Frankfurt mit den Ruhrfestspielen, beschäftigt sich mit «der Abwehr gegen alles, was von außen eindringen könnte» (R. Katrin Plötner), während Christoph Nußbaumeders «Das Wasser im Meer», ein Auftragswerk des Landestheaters Linz, von den böhmischen Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg erzählt (R. Gerhard Willert). Falk Richter denkt in «Città del Vaticano» am Schauspielhaus Wien mit dem Choreografen Nir de Volff über unser Verhältnis zu ...
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Theater heute Mai 2016
Rubrik: Daten, Seite 70
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Bilder wie diese kann ja keine Bühne, kein Theater bieten – Bilder wie aus der «Vila Itororo», einer kleinen Geisterstadt mitten im Herzen der Monster-Metropole Sao Paulo. Vor bald 100 Jahren entstand hier eine kleine Siedlung zu Füßen des Wohn-Tempels, den ein offensichtlich reichlich durchgeknallter Architekt für sich selber entwarf; mit Säulen wie auf einer...
Zwischenrufe während einer Vorstellung können lästig sein, aber manchmal treffen sie den Kern einer Inszenierung. Der Zwischenrufer, der Hans-Werner Kroesingers Recherchestück «History Tilt» vor einigen Jahren im Berliner HAU störte (oder ergänzte), widerlegte ungewollt einige Missverständnisse zum politischen Dokumentartheater im Allgemeinen und zu Kroesingers...
Möchte man Tschechow inszenieren, kommt man nicht um die Frage herum, wie man Langeweile zeigt, ohne selbst langweilig zu werden. «Iwanow» hat schließlich einen Helden im Zentrum, der noch wehleidiger und passiver ist als die vielen anderen Tschechow-Figuren, die sich als überflüssige Menschen in der Provinz herumplagen. Ist das doch noch tragisch oder schon wieder...
