Theatertreffen: Imposante Spannweite
Wer glaubt, es sei die reinste Freude, den sogenannten zehn «bemerkenswertesten Inszenierungen» Goldmedaillen umzuhängen und Blumensträuße in den Arm zu drücken, täuscht sich. Denn für fast jede, die man aufs Treppchen bittet, muss eine andere verstoßen werden. Und das macht keinen Spaß. Dieses Jahr besonders wenig, denn kein Mitglied der im Regelfall gespaltenen Jury (deren Mitglied ich in diesem Jahr bin) kam drum herum, Darlings zu killen und in saure Äpfel zu beißen.
Fast könnte man darüber aus dem Blick verlieren, dass die Zehnerauswahl gleichwohl eine imposante ästhetische Spannweite und getreue Spiegelung der immer noch patriarchalen, aber doch zunehmend diversen Theaterlandschaftsverhältnisse aufweist von sagen wir Frank Castorfs monumentalem «Faust»-Schauspiel, der gleichermaßen die Summe von 25 Volksbühnenjahren wie von knapp 250 Jahren Vernunftherrschaft und Kolonialismus zieht, auf der einen Seite bis hin zu Anta Helena Reckes smarter Konzeptkunst-Kopie von Anna-Sophie Mahlers Inszenierung «Mittelreich» mit einer Besetzung of Color an den Münchner Kammerspielen auf der anderen Seite.
Dazwischen passen auch einige scheinbar Altbekannte wie Jan Bosse (oder doch eher ...
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Theater heute März 2018
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Eva Behrendt
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Aufführungen
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Aua, das tut doch weh! Florentina Holzinger steht in ihrer jüngsten Arbeit «Apollon» nackt an der Rampe und haut sich mit dem Hammer einen acht Zentimeter langen Nagel in die Nase. Ihre Kollegin Evelyn Frantti, ebenfalls nackt, schiebt sich einen beunruhigend langen Luftballon in den Schlund, der durch den Körper zu wandern scheint. Sie zieht die leere Hülle aus...
