Wie im Moment erlebt
Was für ein Projekt! Eigentlich wäre es bereits ein wahnwitziges Unterfangen, zwei Filme und einen Roman von Pier Paolo Pasolini als Theaterabende zu inszenieren. Aber diese Herausforderung reicht dem italienischen Regisseur Nanni Garella keineswegs. Er arbeitet mit einem Schauspielerensemble von professionellen Darstellern und psychisch Kranken. Also unter extrem schwierigen Bedingungen, wenngleich die Patienten einer psychiatrischen Anstalt seit Jahren schon Schauspielunterricht erhalten und längst keine Dilettanten mehr sind.
Die Trilogie, gezeigt im Teatro Stabile di Bologna, der Arena del Sole, begann mit Garellas Dramatisierung des Drehbuchs zu «Il Vangelo secondo Matteo» und wurde jetzt fortgesetzt mit «Edipo Re» – und es wird noch eine Theatralisierung des 1959 erschienenen Romans «Una vita violenta» folgen. Pasolini, 1922 in Bologna geboren, ist gewiss wie kein anderer italienischer Autor und Filmemacher – außer vielleicht Luigi Pirandello – für so ein Projekt geeignet. Denn in seinem gesamten Oeuvre – in den Gedichten, den Romanen, den Dramen und den Filmen –, überall begegnen uns Menschen, die ausgegrenzt, einsam, verloren sind. Überall lauert Gewalt, Mord. Und wenn es ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die perfekte Woche: Kreta, zwei befreundete Paare, ein Minigolfturnier. Zwar ist die kompetitive Wirtschaft nicht ganz ausgeschaltet, und wer das Turnier verliert, muss den anderen das Hotel bezahlen. Aber «seit einem Jahr keine Pause, da muss man sich nicht schämen», nicht einmal als Schweizer. Zumal das pausenlose Jahr offenbar auch einigermaßen ereignislos...
Das Bemerkenswerte am Heidelberger Spiel um Macht und Staatsräson im Dreißigjährigen Krieg ist der Spielort in einem Stadtteil, den der Heidelberger ansonsten nur auf der Suche nach erschwinglichem Wohnraum durchstreift. Kirchheim ist eine der dörflichen Randlagen der Stadt und die «Goldene Rose» ein Gasthaus mit Veranstaltungs- und Theaterraum.
Der Wirt des...
Im Juni 1954 hatte das (einzige) deutsche Fernsehen etwa so viele Teilnehmer, wie heute das Forum Freies Theater Düsseldorf Personen in seinem Verteiler hat. Das änderte sich mit dem 4. Juli 1954, als die deutsche Nationalelf im Finale der Fußball-WM stand: Die «schwer begreifliche Zauberwelt des Fernsehens» verließ die Experimentierphase und begann, sich zum...
