«Gewissen» in Neon-Lettern: Puschkins «Kleine Tragödien» im Gogol-Theater; Foto: Gogol-Theater 2017
Regie aus dem Putin-Knast
Die Vorgeschichte
Im Mai 2017 nahm Kirill Serebrennikov am Gogol-Center Proben an Alexander Puschkins «Kleine Tragödien» auf. Dieses Theater hat er selbst gegründet, und in den fünf Jahren von dessen Existenz zum besten Theater Moskaus gemacht.
Im selben Monat wurde seine Privatwohnung von der Polizei durchsucht. Zunächst war der bekannte Regisseur nur als Zeuge aufgerufen in einem Fall, der «Angelegenheit Siebtes Studio» genannt wird (s. TH 7/17).
Selbst die härtesten Kritiker des Putin-Regimes hätten damals nicht geglaubt, dass der Zeuge demnächst selbst Angeklagter ist, ja, dass ein Künstler, der niemals und nirgendwo je für Finanzen verantwortlich war, genau für diese verantwortlich gemacht wird. Abgesehen von der Absurdität all dieser Vorgänge hatte Serebrennikov zahlreiche künstlerische Pläne. Für den Sommer war die Inszenierung eines Balletts am Bolschoi Theater mit dem Titel «Nurejev» angesetzt, und auch ein Film über den russischen Kultsänger Wiktor Zoi sollte gedreht werden. Die Proben an den «Kleinen Tragödien» sollten im September abgeschlossen werden, nach dem Urlaub.
Im Sommer passierte, was nicht einmal die größten Pessimisten für möglich gehalten hätten: Im Juli ...
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Theater heute November 2017
Rubrik: International, Seite 4
von Marina Davydova
Als zweiter Band der Werkausgabe Hermann Sinsheimers, die mit der erstmals vollständig übersetzten Fassung seiner im Londoner Exil geschriebenen Autobiografie «Gelebt im Paradies» begonnen worden ist, liegt nun «Shylock und andere Schriften zu jüdischen Themen» vor. Hermann Sinsheimer, der 1931/32 mit dem Wechsel von München nach Berlin den Gipfel seiner...
Sie sind immer gut angezogen, sehr gepflegt, auch wenn das Jackett an Kragen und Ärmelkanten schon abgestoßen ist. Man trifft sie am Bahnhofsvorplatz, in Fußgängerzonen, im Einkaufszentrum. Wenn sie eine Pfandflasche aus dem Mülleimer ziehen, dann hat das, im Gegensatz zu den jüngeren Flaschensammler*innen mit der effizienteren Strategie, meist noch etwas betont...
Inzwischen läuft die Form verdächtig rund: Man nehme eine marginalisierte Gruppe, sammle dann die negativen Zuschreibungen und einschlägigen Klischees, verbinde das Ganze mit einer Prise persönlichem Soulsearching der beteiligten Schauspieler und Projektmitglieder, füge ein paar beispielhafte Spielsituationen hinzu, wende alles in überlegener Ironie, würze mit...
