Form und Sprache
Sehr geehrte Damen und Herren,
lieber Wolfram,
wie Sie alle hier ja wissen, sieht es mit der Gegenwartsdramatik schlecht aus.
Klar ist das jetzt auch ein polemischer Satz, solche Sätze eignen sich ja sehr gut, um so eine Rede anzufangen – das darf aber auf keinen Fall darüber hinwegtäuschen, dass ich den Satz auch so meine.
Wenn ich mit Leuten in meinem Alter spreche und sie frage, welche Form im Theater es ist, die von ihnen am ehesten als gegenwartsabbildend empfunden wird (das frage ich tatsächlich manchmal), dann antwortet niemand, dass das die Gegenwartsdramatik sei.
Unsinn, das stimmt natürlich so nicht: Es gibt doch immer wieder jemanden, der antwortet, dass er noch immer die Dramatik für die gegenwärtigste Theaterform hält. Aber richtig ist auch: Alle anderen stehen dann drumherum und schütteln die Köpfe oder rümpfen ihre Nasen oder verdrehen die Augen oder wackeln mit den Ohren. Und meist stellt sich auch heraus, dass die entsprechende Person den Begriff «gegenwartsabbildend» anders versteht, als ich ihn gemeint habe. Dass sie ihn eher begreift in Hinblick auf die Aktualität von Themen, die in den Stücken auf der rein inhaltlichen Ebene vorkommen oder auf das ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Stücke des Jahres, Seite 88
von Von Wolfram Lotz
Sowohl die lebenden als auch die toten Figuren dieses Stückes sind frei erfunden.» So der Hinweis des Autors. Und doch verweist das neueste Stück von Owen McCafferty auf konkrete gesellschaftspolitische Ereignisse seiner Heimatstadt Belfast. Geschickt verknüpft der Autor in seinem Drama «Quietly», das der erfahrene Übersetzer Michael Raab mit «In aller Ruhe» ins...
(Wäre es nicht schön, wenn Theatermachen nicht bedeutete, dass in Reihe drei jemand sitzt, der im narzisstischen Rausch abgerichtete Menschen anschreit und von A nach B schiebt und das auch noch beim sogenannten «Inszenieren» (hahahaaaa) eines heruntergekommenen und schon an Ort und Stelle fragwürdigen Stückes, das nicht der Gegenwart, sondern größtenteils nach...
Zuerst stellt sich für mich sogleich die Frage, wie der Ort für dieses Traumangebot aussieht. Wo ich bin, ganz real.
Und da tauchen auch schon drei ehrwürdige Hallen auf. Ein Park mit alten Bäumen, einen Biergarten hat es, unmittelbar an einem breiten, langsamen Fluss. Das beeindruckt mich besonders. Ein unbestechlicher Begleiter, Einmitter, Erregungshemmer, der...
