Mülheim: Verschworene Gemeinschaft
Roberto Ciulli «Clowns unter Tage» Vögel zwitschern, Mücken sirren: Über der Erde ist die Natur noch intakt in den Ruhrgebiets-Auen. Mit Stühlen und Sonnenschirmen kommen nach und nach die weißgeschminkten Gestalten als elegante Sommerfrischler herein, auf dem Weg zur trügerischen Sonntagsfeier von Wollust und Faulheit. Albert Bork als Bobo liegt in der Sonne und holt sich in der Hose einen runter, bis die Insekten zu sehr stören.
Steffen Reuber steckt als Islamist mit Zottelbart genüsslich Zehenspitzen ins unsichtbare Wasser, Dagmar Geppert und Klaus Herzog rauchen genießerisch als elegant alterndes Paar, mit Spitze, Monokel und Glitzerkette ganz manierierte Stilsicherheit.
Eine Art zweites Ensemble sind die «Clowns» in Roberto Ciullis Theater geworden, gewissermaßen Parallelfiguren der dem Theater teilweise seit Jahrzehnten verbundenen Kernschauspieler. 1980 wurde das kleine Theater an der Ruhr bekanntlich gegründet, als reisende, maximal flexible Antithese zu bundesdeutschen Stadttheaterbunkern. Mit «Clowns unter Tage» hat Ciulli bereits die dritte Inszenierung mit den gleichen melancholischen, schrulligen und versponnenen Charakteren geschaffen: Petra van der Beek als Bebe ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2019
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Dorothea Marcus
Pinkfarbene Wolken, stahlblauer Himmel, Modellhausfassaden, die betont kulissenhaft ins Bild ragen, Interieurs wie aus einem Bühnenbild von Susanne Kennedy: Realismus regiert definitiv nicht in Lola Randls Komödie «Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer». Eine Mischung aus Truman-Show und Jacques-Tati-Reminiszenz bildet den blitzeblank-bonbonbunten...
Kindsmörderinnen sind kein Mythos. Wer die Nachrichten nach Müttern durchkämmt, die ihre Kinder umgebracht haben, oft gleich nach der Geburt, stößt meist auf sozial oder psychisch prekäre, als Kind selbst vernachlässigte und misshandelte Frauen, häufig allein oder in schwierigen Beziehungen. Was auch immer ihr Motiv sein mag – ökonomische Ausweglosigkeit, Druck der...
Tschechow natürlich! Sie würde gerne einmal Tschechow spielen, sagt Svetlana Belesova. Fürs Vorsprechen hatte sie den Schlussmonolog der Nina aus der «Möwe» erarbeitet, den Text zweisprachig, Russisch und Deutsch, eingeübt. Das war durchaus ungewöhnlich, aber es überzeugte. Sicher auch, weil diese Nina so viel Svetlana war – und umgekehrt: das Suchen nach einem...
