Die Kraft der Gruppe
Im Theater vor allem der letzten 30 Jahre ist der Chor-Körper eine der wichtigsten innovativen Kräfte. Das gilt für die Altmeister der europäischen Theaterszene Max Reinhardt, Ariane Mnouchkine und Peter Stein, die Chor-Protagonisten der neunziger Jahre Schleef oder Marthaler, aber auch für die theatrale deutschsprachige Gegenwart, für Regisseure wie Sebastian Nübling oder Nicolas Stemann.
Die Chor-Vielfalt und -Varianz der Genannten ist freilich nicht über einen Leisten zu schlagen, aber sie wirft ein neues Licht auch auf den antiken Chor und seine Körperlichkeit und zugleich auf seine Theaterrezeption im letzten Jahrhundert.
Immer wieder neu wurde der alte Chor totgesagt: «Nun ist der Chor das, was von der griechischen Tragödie vollständig untergegangen ist», konstatiert Roland Barthes in seinem emphatischen Essay über «Die Macht der antiken Tragödie» 1953. Friedrich Luft, der wichtigste Theaterrezensent der fünfziger und sechziger Jahre in Berlin, schickt den Chor anlässlich einer Aufführung der «Troerinnen» geradezu angewidert in den Theaterorkus: «Sprech-Chor, sage man was man will, ist gegen die Natur des Ausdrucks und Barbarei.» «Die Crux moderner Aufführungen der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das könnte Sie auch interessieren:
Jeder Chor begründet eine Welt
«Wo ist die Störung?»
Mnouchkines Les Éphémères
Body Art
Das Corps de Ballet als demokratische Instanz
Einar Schleefs malerisches und zeichnerisches Werk
Der dritte Band der Schleef-Tagebücher
Einar Schleefs Tagebücher
Fotografien von Einar Schleef
Im Juni 1954 hatte das (einzige) deutsche Fernsehen etwa so viele Teilnehmer, wie heute das Forum Freies Theater Düsseldorf Personen in seinem Verteiler hat. Das änderte sich mit dem 4. Juli 1954, als die deutsche Nationalelf im Finale der Fußball-WM stand: Die «schwer begreifliche Zauberwelt des Fernsehens» verließ die Experimentierphase und begann, sich zum...
Mein Gesicht fühlt sich total unecht an. Grässlich. Die Anderen mimen und chargieren, dass es mich graust. Das wird nie was. Zwanzig Stuttgarter Bürger und Bürgerinnen auf großer Bühne. Das wurde was. Die Inszenierung «Faust 21» am Schauspielhaus Stuttgart mit neun Schauspielern und uns, dem Stuttgarter Bürgerchor, lief vom Februar 2006 bis zum April 2007,...
Die perfekte Woche: Kreta, zwei befreundete Paare, ein Minigolfturnier. Zwar ist die kompetitive Wirtschaft nicht ganz ausgeschaltet, und wer das Turnier verliert, muss den anderen das Hotel bezahlen. Aber «seit einem Jahr keine Pause, da muss man sich nicht schämen», nicht einmal als Schweizer. Zumal das pausenlose Jahr offenbar auch einigermaßen ereignislos...
