Aktion Mensch
Wenn Angela Merkel heutzutage Königin Isabella die Katholische ist und Barack Obama König Ferdinand», überlegt der Autor und Regisseur Rodrigo Garcia im Programmbuch des polnischen Theaterfestivals Malta, «dann sind unsere Kuratoren und Experten auf dem Gebiet der Kunst eine spezialisierte Armee im Dienst der Monarchen des Marktes auf der Mission, künstlerische Raritäten in fernen Ländern aufzuspüren und diese ‹Wunder› auf dem alten Kontinent bekannt zu machen.
Europa kann seine kläglichen und bevormundenden Eingriffe nicht lassen: Es denkt, es kann lateinamerikanische Künstler wie exotische Früchte, Edelsteine oder außergewöhnliche Vögel entdecken.»
Mit seinem Statement zum Schwerpunkt «Lateinamerika: Mestizen» vermittelt der 1964 in Buenos Aires geborene und seit 1986 in Madrid lebende Rodrigo Garcia recht eindrücklich, dass er die Rolle des diesjährigen Festival-Kurators nicht ohne (persönliche) Ambivalenzen übernommen hat. Auf eine knappe Textseite konzentrieren sich sein tiefes Unbehagen, aber auch die Paradoxien, die das Rezeptions-Dilemma des voyeuristischen Festivalblicks auf «das Fremde» zeitigt. In kritischer Absicht und polemischer Zuspitzung übersetzt Garcia die ...
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Theater heute Oktober 2014
Rubrik: Festivals/Aufführungen, Seite 17
von Anja Quickert
Der Kolonialismus ist auch nicht mehr das, was er mal war. Anno 1899 waren die Verhältnisse noch erfreulich übersichtlich. Joseph Conrad schrieb sein «Herz der Finsternis», und Kapitän Marlow schipperte im Auftrag einer belgischen sogenannten Handelsgesellschaft den Kongo hinauf auf der Suche nach einem Elfenbeinagenten, der dort ein finsteres Schreckensregime...
Man muss sich den Kollegen A als wirklich streberhaften Musterbürger vorstellen: geschätzte dreißig, Druckereiangesteller, Vater einer kleinen Tochter in eheähnlicher Lebensgemeinschaft, gediegen linksliberal. Und weil sich A (Sascha Göpel) selbstredend als solidarischer Zeitgenosse versteht, springt er kurzfristig für einen verhinderten Kumpel an der Kasse eines...
Bei der Filmpremiere in Toronto, so war zu lesen, wurde gelacht, als ganz am Ende von «Phönix», Christian Petzolds riskantem Film über das, was nach Auschwitz war, die eintätowierte Häftlingsnummer auf Nellys Arm freiliegt: der Augenblick der Blamage, in der ihr Mann, der sie verriet, endlich erkennen muss, wer vor ihm steht. Eine angemessene Reaktion im...
