So frei, so klug, so live
«In hundert Jahren, wenn wir alle tot sind, werden Leute diese Bänder finden und sie werden sagen: ‹Mein Gott, sie waren so lebendig!›» Es klingt wie eine Tschechow-Replik, was Simon Will uns da, aus der Mitte einer Küchenparty heraus, über den Videoscreen vermeldet: Lasst nicht den «Onkel Wanja» in euch auf das Glück zukünftiger Generationen hoffen. Spürt, wie ihr lebt!
Aber wie immer beim deutsch-englischen Künstlerkollektiv Gob Squad ist alles ein wenig komplizierter.
Gob Squad haben sich eingefunden, um alte Andy-Warhol-Filme nachzustellen, wobei «Kitchen», die Grundlage des Abends, gar nicht mehr erhältlich war. So lässt man die Sixties und die Pop-Factory aufleben, wie man sie sich vorstellt oder vom Hörensagen kennt: Unser Eingangszitat wandelt ein Urteil Norman Mailers ab, der in «Kitchen» eigentlich das Ennui der Pop-Ära verkörpert fand.
Im Zuge ihrer genussvollen Umschichtung von historischen und intellektuellen Koordinaten führen uns Gob Squad ins Herz der Kunst, an den Punkt, wo die Fantasie entsteht, wenn man vom Zwang befreit ist, authentisch zu sein. «Laura, wieso bist du nach der Schule nicht nach Amerika gegangen?», fragt Gaststar Laura Tonke eine Zuschauerin. Und ...
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