Spiele der Selbstüberlistung

Gegensätzlicher geht es kaum: Jossi Wieler und Nicolas Stemann sind kaum zu vergleichen, außer durch ihren Dramaturgen

Theater heute - Logo

Im Probenraum trifft Arbeit auf Kunst. Dieser Ort ist meistens leidlich beheizt, unaufgeräumt und befindet sich in einem Industriegebiet am Rande der Stadt. Die Theaterleute fahren dort hin, nicht morgens um 7.00 Uhr, sondern gegen 10.00 Uhr oder etwas später, wie seinerzeit die Arbeiter, die dort Maschinen gewartet, Autos gebaut und das Brutto­sozialprodukt gesteigert haben. Zu Beginn der Probe versammelt sich die Mannschaft aus Spielern, Assistenten, Ausstattungskünstlern und dem Regisseur, der Regisseurin. Die Probe beginnt meistens vor der Probe.

Der Übergang aus der Welt des Straßenverkehrs, der Kinderkrankheiten, Steuerklärungen, der gestrigen Vorstellung und allgemeinen Wehwehchen in die Welt der Kunst muss nun, damit die Probe überhaupt beginnen kann, vollzogen werden. Zögerlich meist und mit mäßigem Filterkaffee und ein paar belegten Brötchen synchronisieren sich die Gemüter bei Gesprächen über Gott und die Welt. 
 

Irgendwann sind alle «warm» geworden, der Alltag ist etwas weiter entrückt, man beginnt, den Stücktext gemeinsam zu lesen. Verständnisfragen werden gestellt, was heißt ein bestimmtes Wort, wie ist eine ungewöhnliche Wendung zu verstehen. Und wie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2010
Rubrik: Regiearbeit, Seite 16
von Bernd Stegemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ein fürsorglicher Herbergsvater

Der Meister lud zur Bauprobe – ein Vorgang, bei dem Schauspieler kaum vonnöten sind; es geht um technische Dinge, Sicht­linien und dergleichen, ein erstes Kennenlernen der baulichen Begebenheiten eines Bühnenbildes. Doch diesmal war alles anders, und so sollte es den gesamten Produktionsprozess über bleiben.
 

An der Brandmauer, ganz hinten in diesem riesigen...

Zwischen Café Brecht und Lennon Park

In Havanna gibt es einiges, was es anderswo nicht gibt. Ein «Café Bertolt Brecht» zum Beispiel und den «Parque John Lennon», in dem man sich auf einer Bank neben einer Bronzeplastik des berühmtesten Beatle niederlassen kann. Der Ehrenplatz in Havanna wurde ihm wohl zuteil, weil die USA zeit seines Lebens eine Gefahr in ihm sahen. Wir lernen: In Kuba kann man schon...

Schuldklage, geschlechterspezifisch

Sind die Frauen die «Guten» und die Männer die «Bösen»? Nach einer Vorstellung von Tom Lanoyes neuem Stück «Atropa» (ob die der deutschen Erstaufführung in Nürnberg oder die unmittelbar darauffolgende im Theater Konstanz) ist man nicht ganz abgeneigt zu sagen, dass es sich der Autor vielleicht doch etwas zu einfach gedacht und gemacht hat. Den Ur-Mythos von «der...