Die letzten Tage der Menschheit
Die keusche Venus links hinten im Eck hat schon deutlich bessere Tage gesehen. Ein grober Sack verhängt ihren Kopf, und die Ausarbeitung von Armen und Händen der griechischen Statue lässt etwas zu wünschen übrig. Zu ihren Füßen liegt nichts, was ihren Schönheitssinn beflügeln könnte: ein eher korpulenter nackter Mann aus Hartplastik, über fünf Meter rücklings hingestreckt quer zur Rampe, den immerhin gut sichtbaren Kopf leicht zum Publikum geneigt. Er trägt unverkennbar die Züge von Bruno Cathomas, der aus weit geöffneten, schreckstarren Augen ins Leere glotzt.
Cathomas scheint überhaupt ein beliebtes Modell der Kunstgeschichte zu sein. An den weinroten Wänden drumrum hängen unverkennbar Dürer, Van Gogh, Kandinsky, Rembrandt, Lichtenstein, Munch, Mapplethorpe und viele andere Klassiker des Tafelbilds mehr, die den Kölner Schauspieler oder seine Kollegin Kate Strong verewigt haben: Meisterwerke der Menschheit, ihrer Kunst und Kultur, quer durch die Jahrhunderte.
Regisseur und Bühnenbildner Ersan Mondtag hat Sibylle Bergs «Wonderland Ave.» im depot 2 des Kölner Schauspiels sozusagen strafverschärfend in ein Museum verlegt. Denn hinter dem ansprechenden Titel und Ort der Handlung ...
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Theater heute August/September 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 32
von Franz Wille
Pläne der Redaktion
Die Ruhrtriennale geht in ihre nächste künstlerische Drei-Jahres-Phase: mit Intendantin Stefanie Carp und Regiemelanchomiker Christoph Marthaler
Das neue Stück von Clemens Setz folgt den Spuren einer verstorbenen Putzhilfe: «Die Abweichung», der Stückabdruck
Die Redaktion muss erstmal ausspannen und ist ab 27. August wieder erreichbar
Das...
Ich habe gehört, du hattest eine Fehlgeburt?», fragt mich die Dame, die irgendwie indisch aussieht, fürsorglich-mitleidig, aber auch unverkennbar pragmatisch. Nicht nur das, ich habe auch bereits einen Kaiserschnitt, zwei eigene Kinder und zwei Leihmütterkinder ausgetragen. Denn ganz ohne lästig aktiv mitspielen zu müssen, wird man als Zuschauerin von «Global...
Ich möchte als Einleitung ein kurzes Stück aus René Polleschs Stück «Die Liebe zum Nochniedagewesenen» zitieren, weil sie in ungewohnter Klarheit auf den Punkt bringt, worum es in seiner Arbeit geht:
M: Hast du gerade Krise gesagt?
MC: Ja, Krise.
M: Aber du meintest Katastrophe.
MC: Nein. Ich meinte Krise.
S: Aber du stolperst von einer Katastrophe in die nächste!
MC:...
