Eine deutsche Saga
Eisenstein gibt es wirklich: Ein 1000-Einwohner-Dorf in Niederbayern, unmittelbar an der Grenze zu Tschechien. Die Homepage der Gemeinde wirbt mit sauberer Luft, landschaftlicher Schönheit und dem Spruch «Eisenstein liegt nicht irgendwo, sondern mittendrin». Womit in erster Linie der Bayerische Wald gemeint ist. Doch durch seine Grenzlage war Eisenstein auch ein Mosaikstein im Spiel des Kalten Krieges.
Die Gemeindechronik verzeichnet gleich zweifach hohen politischen Besuch: Im Jahr 1954 schaut Bundespräsident Theodor Heuss in Eisenstein vorbei (privat, zur Erholung im örtlichen Sporthotel, «wo er ein paar wunderschöne Tage verlebt») und 1991 Bundeskanzler Helmut Kohl (dienstlich, zur feierlichen Wiedereröffnung des grenzüberschreitenden deutsch-tschechischen Eisenbahnverkehrs).
Genau auf diesem Terrain, irgendwo zwischen ländlicher Idylle und deutschem Geschichtsbewusstsein, lässt Christoph Nußbaumeder sein Stück beginnen, das er virtuos Schritt für Schritt zu einer großen Saga zweier zerrissener Familien entwickelt, deren Geschichte und Glückssuche er über einen Zeitraum von 60 Jahren erzählt. Und ganz nebenbei und gänzlich unaufdringlich erzählt er dabei durch seine Figuren auch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2010
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 191
von Thomas Laue
Noch immer sorgt das Bild im Pariser Musée d’Orsay für leichte Irritation, wenn der Blick des von einem zum anderen Bild schreitenden Betrachters plötzlich zwischen zwei geöffnete Schenkel fällt, zwischen denen die Lippen sichtbar, der Spalt der Klitoris erkennbar, der behaarte Schamhügel einer Liegenden sich ihm entgegenwölbt. Eine Nahsicht, naturgetreu...
Pas ça!» Mit einer Handbewegung wischt John Porto alles fort. Malt das Geschehen schwarz. Die sieben Revueengel, seiner Willkür ausgeliefert, nennen ihn ehrfurchtsvoll Papa, weil er sie aus dem Dunkel ans Licht holt und sie mit seiner Auslöschformel wieder dahin verbannt. Zurück ins blinde Geschehen. Im Papa hallt das «Pas ça!» nach, aber Papa ist auch eine...
Sie sind unter uns. Und es sind viele. Sie sehen aus wie wir. Aber sie haben niemals eine Sinfonie gehört, ein Gedicht auswendig gelernt oder ein Theater besucht. Sie schauen fern und freuen sich, wenn in den Nachmittagstalkshows Leute auftreten, die noch blöder sind als sie. Dann fühlen sie sich überlegen und einen Moment lang herausgehoben aus ihrem Alltag aus...
