In der Propagandafalle
Wenn der Schluss nicht wäre, das Urteil über Milan Peschels Adaption der Geschichte vom «Mädchen Rosemarie» fiele verdammt eindeutig aus. Peschel greift sich den Mythos der westdeutschen Linken und erzählt nach einem Text von Soeren Voima sehr simpel die Geschichte einer Prostituierten als Parabel auf das böse Nachkriegswestdeutschland. Das Foyer des Hotels «Frankfurter Hof» ist auf der Bühne nachgebaut als eine Mischung aus Mad-Men-Set und Volksbühnen-Epigonentum: mit Drehtür, Piano, Nierentisch, großer Freitreppe und Container-Set im Obergeschoss (Bühne: Moritz Müller).
Hier treffen sich hinter blauen Vorhängen, David Lynchs «Blue Velvet» überdeutlich zitierend, finstere Wirtschaftsbosse im Isoliermatten-Kartell. Und planen, na was wohl, die atomare Wiederbewaffnung der BRD natürlich. Grobkörnige Videoaufnahmen dringen nach draußen, wenn sich der fette Präsident (Andreas Schlager) zwischen den Sitzungen mal eben vom Mädchen Rosemarie einen blasen lässt. Juliane Fisch spielt die Edelprostituierte als mysteriöse blonde Film-noir-Heldin, die diese korrupte Welt sehr gut verstanden hat, sich selbst zur Marke macht und zu ständig steigenden Preisen nach oben schläft.
Geschäftssitz ist ...
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Theater heute Juli 2014
Rubrik: Chronik: Hannover, Seite 53
von Alexander Kohlmann
Natürlich wäre Henry Hübchen die perfekte Besetzung gewesen. Für die Rolle des Frank Castorf kaum sichtbare fünf Jahre zu alt, aber in ähnlich ganzjährig gebräunter Top-Form wie der ewige Intendant vom Rosa-Luxemburg-Platz. Ebenfalls gebürtiger Berliner (wenn auch Charlottenburg statt Prenzlauer Berg) und also von Kindesbeinen an ausgestattet mit der lokalen...
Der Mann, ein König, ein Tyrann, stürmt aus der Tiefe des Raums im wehenden Mantel, als wolle er alle Welt gleich überrennen. Schon ist er nah, da fährt ein unsichtbarer Blitz ihm in die Glieder, und mit dem Mann scheint auch die ganze Welt für einen Augenblick stillzustehen. Der Mann im Innehalten sagt kein Wort, nur fällt in dieser langen, kurzen Weltsekunde sein...
Es soll ja Künstler geben, gerade im Theater, denen Geld nicht so wichtig ist. Für sie haben die Tarifpartner, der Deutsche Bühnenverein als Arbeitgeberverband und die Künstlergewerkschaften, eine schlechte Nachricht: Es gibt ein bisschen mehr davon. Alle im Tarifvertrag NV-Bühne Versammelten – also beispielsweise festangestellte Schauspieler, Dramaturgen oder...
