Denkspiele ins Irgendwo
Warum ist nur noch niemand auf die Idee gekommen: Wer keinen Job mehr hat, wird erschossen. Das löst alle Probleme der Arbeitslosigkeit, steigert die Produktivität, spart Sozialausgaben und reduziert die Unzufriedenheit nachhaltig. Die vierteljährlichen Hinrichtungen lassen sich nach altrömischem Vorbild in einer großen Arena attraktiv anrichten. Kein Wunder, dass Herrscher Hieron glaubt, alle wesentlichen Probleme auf dem Weg zu Wohlstand und staatlicher Fürsorge gelöst zu haben.
Sein Staat funktioniert überraschend gut, allerdings mit ein paar kleineren zwischenmenschlichen Einschränkungen. Von der jederzeit drohenden Hinrichtung mal abgesehen, haben Arbeitnehmer nur einen Tag Urlaub im Jahr, an dem sich auch die Familie treffen darf, passenderweise zu Weihnachten. Berührungen und andere Intimitäten sind allerdings auch bei dieser Gelegenheit streng verboten. Stattdessen muss ein glückliches Familienfoto für den obersten Wohltäter in eine der Überwachungskameras gelächelt werden. Spaziergänge in der Stadt sind selbstverständlich auch nicht erlaubt.
Ob Mario Salazar mit diesem lichten kleinen Utopia eine Groteske auf den Neoliberalismus schreiben wollte? Oder einen szenischen ...
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Theater heute Oktober 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 29
von Franz Wille
In Bayreuth ist auch der Zuschauer anschauenswerth, es ist kein Zweifel», schreibt Friedrich Nietzsche 1876. Er wirft damit kein parodistisches Licht auf das Publikum, das überlässt Nietzsche der «sehr unmagischen Laterne unserer witzelnden Zeitungsschreiber». Nein, der Denker betont die Exzentrik der Veranstaltung, um nicht nur die Kunst, sondern auch das Publikum...
Eine Frau und ein Mann sitzen an einem Tisch. Er fragt, sie antwortet nicht nur mit ja oder nein, so die Verabredung. Es funktioniert nicht gleich auf Anhieb. Erst weicht sie aus, wehrt ab oder greift im Gegenzug an, um schließlich doch Intimes preiszugeben. Eine Feier des Gewesenen, das bei aller elegischen Verklärung ein subtiles Grauen verströmt, und ein...
Sobald ein Instrument auf der Bühne steht, kann der Schauspieler Tilo Nest einfach nicht widerstehen. Er stürmt also auch im Wiener Akademietheater zur kleinen elektronischen Heimorgel und schlägt die ersten Takte von Lana Del Reys schwermütigem Lovesong «Video Games» an, brüllt dann unvermittelt die Prostitutions-Ausstiegs-Ballade «Roxanne» von Police, um mit...
