Oh mein Papa!

«Last Exit Ithaka», frei nach Homers «Odyssee»

Theater heute - Logo

Odysseus bleibt 20 Jahre von zuhause fort: Erst führt er Krieg gegen Troja, dann irrt er auf den Weltmeeren und in den Betten von Calypso und Kirke umher. Seine Gattin Penelope hält ihm 20 Jahre lang die Treue und die über hundert Freier, die sie umschwärmen, auf Distanz. So weit, so bekannt. Aber wie geht es eigentlich Telemach, dem gemeinsamen Sohn? Der ist in dieser Zeit vom Säugling zum Mann geworden und hat keine Ahnung, wer sein Vater ist.

Ein furchtloser Held? Ein rücksichtsloser Abenteurer? Ein weitsichtiger Anführer?

Telemachs Suche nach einem Vaterbild dominiert den ersten Teil von «Last Exit Ithaka». In bunten Odyssee-Assoziationen, die Regisseur Ulf Otto und Dramaturg Christian Holtzhauer mit jungen Schauspielkräften von der Hochschule für Musik und darstellende Kunst erarbeitet haben, führt die Partygesellschaft um Penelope dem sich ausgrenzenden Telemach (Folkert Dücker) ein Best-Of aus den Irrfahrten seines Vaters vor, etwa indem ein Freier (Martin Weigel) mit Affenmaske und Mikrofon den Kyklopen gibt, dem die Magd (Sonja Dengler) mit aufgesetzter Großspurigkeit entgegentritt. Auch wenn man sich die Zeit schön dekadent mit Sekt und Sirtaki, zotigen Liedchen und viel ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2007
Rubrik: Chronik, Seite 43
von Andreas Jüttner

Vergriffen
Weitere Beiträge
Verschwenderische Qualitätsarbeit

Herrlich frech, dieser Einstieg. Tritt ein Komiker an die Rampe, faltet seine schlecht abgepuderte Visage zum Berufslächeln auseinander, zieht die unterste Schublade und schwelgt in Frauen- und Türkenwitzen der übelsten Sorte. Der Komiker heißt Thomas Mehlhorn, er spielt Daniel, die Hauptfigur in Michel Houellebecqs Roman «Die Möglichkeit einer Insel». Und er...

Der richtige Augenblick, bürgerlich zu werden?

Ja, «warum können wir nicht ein Leben lang Kinder bleiben?» Warum nicht einfach stehenbleiben im Zustand nicht der Unschuld, sondern der Ahnungslosigkeit, die von Vergänglichkeit noch nichts weiß und an die Auflösung in der Liebe als Dauerzustand glauben kann? Und in der süßen Verantwortungslosigkeit fürs eigene Leben? Die Frage stellte Ferdinand Bruckner 1926 in...

Unsere Wikipedia-Welt

Wir waren schlecht, würde ich sagen. zumindest an jenem freitag abend im november. wenig wurde aus ihm gemacht von unserer seite. ein braves publikum, das eher eindimensionalen vorstellungen von wissensvermittlung folgte. ein braves publikum, das dem vermeintlichen expertenwissen zu folgen schien, wohin es einen auch führte. wenig widerspruch. wenig...