Dokumentarfilm: Die Ordnung der Erfahrungen
Es beginnt märchenhaft. Das erste Bild von Thomas Heises neuem Film «Heimat ist ein Raum aus Zeit» ist die langsame Bewegung nach oben, einen grünen Pfahl entlang, der auf Waldboden steht. Am Ende des Pfahls ist ein Schild angebracht mit den Worten: «Nach der Legende stand hier Großmutters Haus.» Was dann folgt, ist allerdings keine Fabel, sondern Dokumentarismus im nüchternsten Sinne. Es werden Texte vorgelesen: Aufsätze, Essays, Aktennotizen, vor allem aber Briefe und Tagebucheinträge aus der Familie des Filmemachers. Drei Generationen, vom Beginn des 20. bis zum Anfang des 21.
Jahrhunderts. Drei Stunden und vierzig Minuten lang. Dazu sind Bilder zu sehen, die zu diesen Texten eher vage Verbindungen halten.
Dokumente des Nicht-Darstellbaren
Diese Anordnung ist einfach, aber nicht im Sinne von schlicht oder unterkomplex. Man mag sich fragen, warum der Stoff ein Film werden musste und kein Radiofeature oder eine szenische Lesung auf der Bühne. Die leichteste Antwort wäre: Thomas Heise ist Filmemacher (obwohl er, als er nicht Filmemacher sein konnte in der DDR und zu Beginn der neunziger Jahre, auch Originalton-Hörspiele gemacht hat und durch die Bekanntschaft mit Heiner Müller ...
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Theater heute November 2019
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Matthias Dell
Wie die Welt untergehen wird? «Unter dem Jubel ihrer witzigsten Köpfe, die da meinen, es wäre ein Witz», heißt es im «Untergang der Titanic» von 1978. Klingt grob, aber genau das ist es, was die apokalyptische Komödie von Hans Magnus Enzensberger jetzt, angesichts der anstehenden Klimakatastrophe, so aktuell macht: die Vorstellung der Katastrophe als Witz.
Ein...
Ich hatte mich in den 90er Jahren daran gewöhnt, dass es meinen Chef aus Osnabrück erstaunte, mich Englisch sprechen zu hören, obwohl ich aus dem Osten komme. «Waren die Leute in der DDR eigentlich blöder, oder warum haben da so wenige Abitur gemacht?» Wie sollte ich das erklären ...? Die grobe DDR-Vergangenheitsbetrachtung war mir lange Zeit egal, denn ich habe in...
Er hatte schon im Vorfeld seinen Respekt vor dieser Bühne kundgetan, ihrer Größe, ihrer Tiefe, ihrer Geschichte. Thorleifur Örn Arnasson, der 41-jährige isländische Regisseur, dessen Name spätestens seit seiner hannoverschen Mythenüberschreibung «Edda» 2018 (die er jetzt fürs Burgtheater aktualisiert) in Theaterkreisen zirkulierte, wusste, was er sich antat, als er...
