Tod durch Erdbeeren
Es ist der ewige Mordbrenner, der in Chemnitz in der Regie von Malte Kreutzfeldt die Spielzeit eröffnet. «Richard III.» steht auf dem Programm, und der blutsaufende Königsmörder wird verkörpert von Susanne Stein. Die findet von Anfang an den richtigen Ton. In schwarzem Smoking und Armeestiefeln führt sie als Conferencier des Bösen durch den Abend und macht schnell klar: Wer stört, stirbt. Stein gibt diesen Richard, humpelnd und mit spastischem Arm, anfangs sowohl kraftvoll als auch ironisch im permanenten Dialog mit dem Publikum, dem sie haarklein darlegt, was sie gleich machen wird.
Die anderen Figuren sind nur zu ihrem Anspiel dar. Die Textfassung von Thomas Brasch mag helfen, den Shakespeare ins Heute zu bringen, und die starken Striche – der Abend dauert zwei Stunden und 20 Minuten plus eine Pause – sowie einige deftige Hinzuerfindungen sorgen für die Faszination an der Banalität des Bösen. Am Anfang hat Stein das Spiel fest in der Hand, nur selten gibt es schauspielerische Gegenwehr von der Karikatur eines Hofstaats. Lediglich in der Verführungsszene von Lady Anne (Lysann Schläfke), die immerhin ihren Mann und Vater an den zukünftigen Richard verloren hat, entspinnt sich ...
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Theater heute November 2014
Rubrik: Chronik Chemnitz, Seite 52
von Torben Ibs
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