Vom langen Lied des Horrors
Vom Ehrenbreitstein, also von hoch oben aus gesehen, scheint unten am Rheinufer im Großenganzen alles in Ordnung: Der Intendant macht gängiges Programm, sein teuer renoviertes Theater, eine historische Kostbarkeit, ist beliebt in der Stadt. Und zum Start in die neue Saison gibt’s ganz gutbürgerlich und massenkompatibel das große Format, klassisch. Auch die dritte «Macbeth»-Vorstellung riss das zahlreich erschienene Publikum, wie man stolz verbucht, zu Beifallsstürmen hin. Theaterliebe! Bei der griffigen Werkeinführung im Foyer blieb selbstverständlich kein Stuhl unbesetzt.
Bildungsbeflissenheit.
Die Zuneigung der Leute zu ihrer mit Lust, Fleiß, Tapferkeit betriebenen örtlichen Schau– bühne (gerade mal wieder droht eine Etatkürzung) scheint unerschütterlich. Gut so! Und des rührigen Intendanten Markus Dietzes «Macbeth»-Inszenierung könnte durchaus zeitgemäß gedacht sein.
Freilich, allzu oft schon sahen wir das rabenschwarze Endspiel ziemlich bunt: versplattert, verslapstickt, ironisch verspaßt und lustig verschoben in Kleinbürgerhöllen oder Mafiamilieus. Nicht so bei Markus Dietze. Bei ihm herrscht klassisch Krieg. Aber: Er lässt einfach nicht das schlimme Lied singen vom ...
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Theater heute Januar 2012
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Reinhard Wengierek
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Neulich rief ein Intendant beim polnischen Nachwuchsdramatiker Michal Walczak an. Das Theater wolle seine schwarze Komödie «Elchjagd» spielen. Und man habe auch schon eine gute Idee, das Stück umzuarbeiten. Der Elch sei ja eher der Typus eines einsamen Tieres, «für das Stück wäre ein Tier besser, das sympathischer, familienfreundlicher ist ... Wir könnten aus der...
Lässt die französische Hausfrau ihrem Unmut freien Lauf, wissen die Kinder, dass sie sofort ihr Zimmer aufräumen müssen. Immerhin hat die Mama mit ihrem «Oh, le bordell» einen Zustand der größtmöglichen Unordnung markiert, den sie nicht mehr länger zu dulden gewillt ist.
In etwa so ist es auch in Shakespeares «Maß für Maß» und Jean Genets «Der Balkon», die jetzt in...
