Voll auf die Zwölf

Mit fünf Stimmen ist Alexander Scheer für seine Rolle als Kean Schauspieler des Jahres geworden. Macht gar nichts. Scheer wollte eh immer nur Popstar werden – und ist es längst

Theater heute - Logo

Ein letztes Mal noch wird Alexander Scheer auf den Brettern stehen, die für ihn nie die Welt bedeutet haben. Dann ist Schluss. Im Herbst gibt er sein Debüt an der Wiener Burg. Stefan Pucher wird Regie führen, Wolfram Koch den Antonius, Catrin Striebeck die Cleopatra spielen, und er selbst keinen Geringeren als Julius Cäsar. «Dann reicht’s wirklich!» Scheer weiß, dass seine Abschiedsbekundungen nicht sonderlich überzeugend klingen – schließlich hat er sie schon oft über den Haufen geworfen.

Doch hier im «Mauersegler» auf der ehemals deutsch-deutschen Grenze zwischen Wedding und Prenzlauer Berg kommt die «Nie wieder!»-Geste aus vollem Herzen.

An lauen Sommerabenden kifft im angrenzenden Park das hedonistische Jungvolk, sonntags trifft es sich hier zum Flohmarkt, und Scheer passt mit seinem geblümten 70er-Jahre-Hemd und der riesigen Brille – Kassengestell ist gar kein Ausdruck – perfekt in das alternativ-kreative Szenario. Natürlich kennt er auch den Kneipier. Der hat ihm neulich seinen Transporter geborgt, um den alten Volksbühnenboden in den Keller zu verfrachten. Dort lagert er, bis Scheer mit dem «perfekten Holz» sein künftiges Tonstudio auskleiden wird. Er will nämlich Popstar ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen
Weitere Beiträge
Die Nuller Jahre

Inzwischen haben sie sich durchgesetzt, die «Nuller Jahre», als Bezeichnung für das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends. Was soll man auch sonst sagen? Die Vorzehner? Die Nulligen? Aber so rund und abgeschlossen wie die «Zwanziger» wird es nie klingen. «Die Sprache hat hier ein Loch», meint ganz lakonisch Professor Heinrich Dingeldein vom Deutschen Sprachatlas...

Die Dramatiker des Jahres

In Elfriede Jelineks Texten reden sich die Leute zuverlässig um Kopf und Kragen. Besonders, wenn sie sich Mühe geben, nichts Falsches zu sagen. Aber was soll man in «Rechnitz (Der Würgeengel)» über ein Massaker an 180 Juden und anschließende Jahrzehnte des Totschweigens auch Richtiges sagen? 

In Dennis Kellys Texten dagegen kommt für das Zuschauerauge kaum jemand so...

Herr K. und Herr K.

Die höchst produktive Schizophrenie des Andreas Kriegenburg ist jetzt schon neun Jahre alt. Sie brach im Jahr 2000 aus. Da sollte er am Wiener Burgtheater «Dantons Tod» inszenieren, kombiniert mit Heiner Müllers «Auftrag», ein Revolutions-Spektakel, und war sich plötzlich vollkommen sicher, wie die Bühne dazu auszusehen hatte: Drei Wände, die nach einem Vorspiel...