L’ Art du théâtre
Keine Ahnung, was «Schwellenangst» auf Französisch heißt. Es wird schon ein Wort dafür
geben. Aber was Angst vor der «S.» ist, das lässt sich beispielhaft ablesen an der im letzten Sommer erschienenen Saisonbroschüre, mit der Pascal Rambert, der neue Leiter des Théâtre de Gennevilliers, sein Zielpublikum umwirbt. Wobei es sich durchaus um eine prätendierte Angst handeln kann, so übertrieben wirkt das «Abholen» des Publikums in seiner unterstellten Schmollecke vor den Toren der Hochkultur.
Begegnung, Aufbruch, Vernetzung, Gemeinsamkeit, Erlebnis, Inklusion, so geht die Litanei. Was man eben so schreibt auf vielen, vielen appellativen Kurzzeilen. – Dass man in diesem Theater Abitur braucht und dann immer noch keinen Ton versteht, das soll es nie wieder geben, wird da zum Beispiel versprochen. Das heißt schon ziemlich ungeniert mit der Wurst nach der Speckseite werfen, von der Beleidigung ganz abgesehen, die der Satz für Bernard Sobel, den etwas plötzlich verabschiedeten Vorgänger, bedeutet, der das Theater einst in einem alten Kino gegründet hat. Gewissermaßen als self-fulfilling prophecy zeigt das Heft ausgewählte Bewohner von Gennevilliers im unverkrampften Umgang mit Prominenten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Hörspiel ist die glücklichste Form», sagt Werner Fritsch an diesem Samstagvormittag.
Noch ohne zu wissen, dass er am Abend im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) den ARD Hörspielpreis für seine Produktion «Enigma Emmy Göring» erhalten wird, was dank der damit verbundenen Ausstrahlung in allen neun ARD-Landesanstalten laut SWR-Intendant Peter...
Petite Fleur» heißt das Etablissement, das mehr bodenständig als frivol über die Ausfallstraße am See grüßt. Neonbordüren illuminieren sparsam die klobige Fassade; träge blinken rote Herzen in den Fenstern. Früher war das robuste Zweieinhalb-Familienhaus schräg gegenüber der Roten Fabrik noch «eine wundervolle Vorstadtkneipe», in der der legendäre Tonmeister Dieter...
Dass die «Titanic» vor ein paar Jahrzehnten gesunken ist, war ein Glücksfall für Technik- und Beschleunigungskritiker und ist es bis heute für die Unterhaltungsindustrie. Dass im Dezember 1996 ein namenloser klappriger Flüchtlingskutter mit 300 Frauen, Männern und Kindern vor der sizilianischen Küste unterging, kann man nur noch in entlegenen Annalen nachlesen. Die...
