Kein Außen. Nirgends.
Ein schwarzhäutiges Zimmermädchen in der großen Marmorbühnenbox wischt den Boden, wischt und wischt, ihre Bewegung wird langsamer, wird Zeitlupe. Dann, nach einer Vorhangpause voll laut dröhnendem Rauschen: absolute Stille. Als wäre aller Ton weggedreht. Und in der Stille, im grellen, nackten Marmorraum, sitzt allein ein Baby, gerade mal ein paar Monate alt, sitzt und guckt ungläubig. Langt zögernd, ohne den Blick von den Zuschauern zu lassen, nach einem schwarzen Becher, stößt ihn um, und drei Würfel rollen über den weißen Boden.
Ein surrealer Traum, eine Filmszene vielleicht, doch mit elektrisierender physischer Präsenz. Und das Publikum traut sich kaum zu atmen, um ja das Kind nicht zu erschrecken. Um das Bild nicht zu zerstören. Um keine Verantwortung auf sich zu laden.
Wie fasst man Präsenz in Sprache? Nach welchen Kriterien bewertet man den Auftritt eines Babys? Dürfen die das? Welche ethischen Prinzipien gelten für Kunst? Was beschreibt man, wenn es keinen Plot zu beschreiben gibt, keine Schauspielerleistung, keine Dialoge? Und wie wahr ist die Erinnerung?
Dass das Theater sich immer weniger damit zufrieden gibt, einen Text mehr oder minder behutsam oder gewalttätig auf die ...
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Theater heute März 2006
Rubrik: Serie Positionen der Kritik, Seite 26
von Florian Malzacher
Als Johan Simons begann, Theater zu machen, bestand er darauf, seine Aufführungen stets außerhalb der festen Häuser zu zeigen. Seine Gruppe Hollandia spielte überall dort, wo Theater nicht hinpasste, in Wohnungen und Hühnerställen, in Gewächshäusern und auf dem Acker, in verrotteten Fabriken und postmodernen Bürokomplexen. Aus der Not, keine eigene Bühne zu haben,...
Man könne das doch nicht mehr spielen, meinen die Kollegen. «Heldenplatz», das sei gerade mal ein punktgenauer Polit-Skandal damals vor knapp 20 Jahren gewesen, eine lokal verortete Provokation, die ohnehin nur in Wien einen Sinn machte. Und überhaupt: Thomas Bernhard – sowas von «out»! Dieser stilisierte Weltekel, diese klischee-seligen Rundumschläge. Ja, mit...
Der Zürcher Schauspielhaus-Direktor hat ein gesundes Vertrauen in seinen Auftritt: «Ich bin 1 Meter 93 groß, spreche hochdeutsch und drücke mich klar aus.» In dieser darwinistisch knallharten Überlegenheit sah Matthias Hartmann Ende Januar den Grund, dass der historisch einmalige Streik der technischen Angestellten vier Tage dauerte. Tatsächlich, auch dieses Tief...
