Der Auftrag

68 war die politische Relevanz von Theater ein hohes Ideal. Wie viel Kunst und Gesellschaft steckt in den Public-Service-Unternehmen heute noch drin?

Theater heute - Logo

Das Theater der Zukunft hatte der Dramatiker Heiner Müller vermutlich nicht vor Augen, als er, zehn Jahre vor dem Mauerfall und noch zu beschaulichen DDR-Zeiten, in seinem Revolutionsstück «Der Auftrag» einen kleinen Angestellten in den Fahrstuhl schob, am großen Auftraggeber vorbeifahren und in einem peruanischen Dorf wieder aussteigen ließ. Eher schon sah er in ihm den europäischen Intellektuellen, der auf einmal feststellen muss, dass ihn die Dritte Welt, die er befreien wollte, gar nicht braucht.

Trotzdem kommt einem zum Jubiläum von 68 und beim Blick auf das deutschsprachige Theater von heute «Der Auftrag» in den Sinn. Wie steht es eigentlich um den linken Auftrag – und Anspruch –, mit dem Theater Gesellschaft aufzuklären und zu verändern? Fühlt sich das Theater ähnlich verloren und todgeweiht wie Müllers Fahrstuhlmann unter gleichgültigen Peruanern – oder schaut es sich längst nach neuen Auftraggebern um? 

 

Schwere leichte Zeiten

68ff. schien Geschichte machbar – und Theater auf einem Höhepunkt seiner Bedeutsamkeit. Nicht nur Studenten und Pastorentöchter hielten Staat und Bevölkerung auf Trab, auch das Theater mischte an vorderster Front mit. Es wollte aufklären, aber auch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: 68–war da was?, Seite 6
von Eva Behrendt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Anreden gegen die Einsamkeit

«Ich liebe Dich nicht mehr.» Der Satz, der alles ändert, alles zu beenden scheint. Drei Frauen, drei Generationen, ein Schicksal: Sophie (25), Nelly (35) und Simone (50) ringen um ihre Identität. Sie sind verlassen worden. Jetzt stehen sie vor sich selbst und voreinander und wissen nicht weiter. In neun­undzwanzig Szenen und einem Prolog reden sie miteinander,...

Konsumgut Nebenmensch

Die Schneiderei, die Nebenspielstätte des Schauspielhauses, ist ein Raum mit vielen Fenstern zur Porzellangasse, in den durch die morsche Doppelverglasung der Lärm der Stadt dringt. Ewald Palmetshofer, der Hausautor des Schauspielhauses, sitzt hier, neuerdings täglich, um zu schreiben. Die Schneiderei, mit Hans Gratzers altem Schreibtisch aufgerüstet, ist sein...

«Links sein, aber nicht wie die»

Große Fragen liegen auf dem Tisch, Kaffeetassen stehen bereit:
 

Thomas Ostermeier, Jahrgang 1968, war nach dem Regie­studium an der Berliner Ernst-Busch-Schule künstlerischer Leiter der Baracke des Deutschen Theaters und leitet seit 2000 die Berliner Schaubühne
 

Frank-Patrick Steckel, geb. 1943, kam als Student der Kunst­geschichte zum Studententheater. Seit 1970...