Futterneid an der teuren Tafel
Über den Mittag essen auch schon mal Banker im schönen Biergarten. Keine Würste, eher Piccata Milanese oder ein Tandoori. An den Wochenenden feiert ein szenenunspezifisches Publikum im Restaurant Reithalle jene Art von Allerwelts-Disco, die man in ihrem unverfrorenen Balzritual provinziell nennen mag. Und am Abend erwartet das Publikum in den ehemaligen Militärstallungen des Theaterhauses Gessnerallee, dass sich das freie Theater und der Tanz auf ihrer aktuellen Höhe zeigen. Glamouröser wird’s nicht abseits des Stadttheaters. Wer hier groß rauskommt, kann noch größer rauskommen.
Sei’s für eine Koproduktion mit städtisch geförderten Gruppen, für ein nationales oder ein internationales Gastspiel, für welches paritätische Drittel auch immer: Die «Gessi» bleibt die erste «freie» Adresse im Land. Denn das Haus hat eine «Schweizer Ausbauqualität» – sagt ein deutscher Ex-Direktor –, es liegt unweit des Zürcher Bahnhofs und des Bankenviertels, vermittelt durch zwei Flüsse aber etwas Insulares. Über die Straße besetzen die Hochschule für Theater und ihre zwei Bühnen die andere Seite der «Kulturinsel», ein Werbewort, das so niemand benutzt, weil Kultur in Zürich wirklich nicht Ausnahmegebiet ...
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Erste Szene
Das T.-Theater in H., Intendantenzimmer. Ein Dachstübchen bescheidenster Art. Es herrscht strenges Repräsentationsverbot. Ein in die Ecke gedrängtes Echtholz-Schreibtischchen mit orthopädischem Drehstuhl. Ein kleiner Besprechungstisch neben der Tür. Daran der INTENDANT, Typ Manuel Andrack, erschöpft, und der REPORTER, Typ Marinelli, angespannt. Ein...
Die Zeitungen, Radio- und Fernsehnachrichten quollen über in diesen Tagen von Skandalen ganz nach Bauart des altvertrauten Klischees von der südamerikanischen Bananenrepublik; nur dass es halt derzeit die Hoffnungsträger von gestern sind, die augenscheinlich die Finger nicht lassen können vom schmierigen Spiel um Privilegien und Pfründe bei der staatlichen Post....
Noch ins Black klingelt ein Telefon. Der Mann, den es erreichen soll, erscheint Sekunden später, aber die Synchronizität von Ton und Bild schafft keine verlässliche Verbindung: Die Welt des Telefonklingelns und das Universum dieses Mannes existieren allem Anschein nach parallel. Stumm und vollkommen reglos sitzt er am Steuer seines Autos und blickt geradeaus. In...
