Der König von der traurigen Gestalt und die schöne Leich’
Akklimatisiert hat er sich bereits mit einer kulinarisch angereicherten Ensemble-Fortsetzungs-Lesung von Lion Feuchtwangers München-Roman «Erfolg», die schon nach wenigen Terminen Kultstatus genoß. Nun wagt sich Johan Simons, seit einem halben Jahr Intendant der Münchner Kammerspiele, mit einem Abend über Ludwig II. ans Eingemachte bayerischer Selbstherrlichkeit, ein Unterfangen, bei dem man sich angesichts erbitterter Grabenkämpfe zwischen erzkonservativen Königstreuen und kitschbeflissenen Fremdenverkehrsbeauftragten sehr leicht künstlerisch eine blaublutige Nase holen kann.
Doch manchmal muss bekanntlich erst ein Fremder kommen, um einen ganz anderen, erhellenden Blick auf das Vertraute zu werfen. So unternahm jetzt der belgische Regisseur Ivo van Hove anhand des Drehbuchs zu Luchino Viscontis Ludwig-Film aus dem Jahr 1972 einen neuen Anlauf – und der Eindruck, den man dabei von dem königlichen Kunstjunkie gewinnt, ist vor allem dank der ästhetischen Reduktion tatsächlich so ungewohnt wie der von der dunklen Seite des Mondes.
Kein Kini-Kitsch: Ivo van Hoves Blick
Noch nie hat das Münchner Publikum die Gestalt seines Märchenkönigs so ungeschönt und unverkitscht dargestellt ...
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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 40
von Silvia Stammen
Amsterdam
Holland Festival vom 1. bis 26. Juni
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