Gedenket ihrer!
Wir Bildungsbürger und Abonnenten, Shakespearefreunde und Humanisten, wir Theaterkritiker und von engagierten Lehrern herangeschleiften Gymnasiasten – wir sind das Volk. Damit wir das nicht vergessen und auch nicht, dass die Tragödien des britischen Renaissance-Dramatikers William Shakespeare mit uns, dem Volk, zu tun haben, werden wir als solches angesprochen und einbezogen in Falk Richters «Julius Cäsar» an der Wiener Burg und in Jan Bosses «Hamlet» am Schauspielhaus in Zürich.
In Wien sind wir verwöhnte, opportunistische, launische Römer, um deren Gunst die Politiker mit Versprechen und Ruck-Reden buhlen – wobei ein Tyrannenfreund wie Marc Anton uns ebenso auf seine Seite zu ziehen versucht wie der Tyrannenmörder Brutus, der uns versichert, Cäsar zu unserem Allgemeinwohl und um der Freiheit willen erdolcht zu haben. In Wien traut man uns gleichwohl nicht zu, die Volksrolle anständig zu spielen: Unser Jubel und Protest schallen aus dem Lautsprecher. Zürich hingegen fordert uns weder als Souverän noch als Stimmvieh, sondern in unserer physischen Präsenz. Bühnenbildner Stéphane Laimé hat uns eingebaut in die Ausstaffierung des Schiffbaus zum Festsaal mit gewaltigen, halbblinden ...
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«Das Risiko bei Shakespeare besteht natürlich darin, dass du auf einen völlig falschen Weg kommen kannst und niemand dich dabei aufhält. Bei Henrik Ibsen ist es komplett anders, bei diesem Dramatiker kannst du andauernd kontrollieren, was du machst. Wenn man bei Ibsen eine grundsätzlich falsche Entscheidung für eine Figur trifft, wenn man zum Beispiel aus Lövborg...
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Glück, Lust – und die Suche danach im Theater: Sind gerade Tschechows «Drei Schwestern» (an den Münchner Kammerspielen) das richtige Stück, um dabei fündig zu werden? Olga, die älteste, ist als Lehrerin längst verzweifelt, eine früh ältliche ewige Jungfer. Irina, die jüngste, ist auf der Suche nach einer Aufgabe, einer Liebe, nach Lebenssinn – aber ihre Sehnsucht...
