Die fünf Sinne
Als das Stück sich dieses Frühjahr den Autorenpreis mit Nino Haratischwilis «Liv Stein» teilte, ging das absolut in Ordnung. Beide Texte ragten aus dem Angebot des Heidelberger Stückemarktes heraus. Im Theater Heidelberg folgt auf den Preis der Praxistest in Form der Uraufführung. «Lilly Link oder Schwere Zeiten für die Rev ...» steht in einer Reihe von Löhle-Stücken, in denen er sich geradezu altersweise mit dem Jahr ’68 und den Folgen auseinandersetzt.
Anders aber als sein Fundamentalverweigerer Gospodin, der den Kapitalismus aussitzen will, leidet Lilly Link an der Unveränderbarkeit der äußeren und am steten Wandel der inneren Verhältnisse.
Nichts ist mehr wie früher. Lilly aber bleibt sich treu und wirft ihren Freunden, mit denen sie dereinst unter dem Label «Die fünf Sinne» außerparlamentarische Aktionen zur Erhöhung der allgemeinen Sensibilität startete, heute ein erbittertes «Verräter» an den Kopf. Dabei haben die ehemaligen Geschmacksguerilleros nur genau hingehört, als der Deutschen liebster Turnschuhreisende den historischen Satz sprach, nur wer sich ändere, bleibe sich treu. Sie wollen schlicht Geld verdienen, allen voran Amoz, mit dem Lilly zu allem Unglück auch noch ...
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Ja, es ist verrückt, wie schnell alles Vergangenheit wird», meint der «Finanzexperte» in der Radio-Talkrunde, bei der man schon langenicht mehr weiß, ob es um den jüngsten Jahrhundertsturm oder die letzte Jahrtausendflut geht, ob gerade ein pazifischer Wirbelsturm die Südstaaten umpflügt, ein osteuropäisches Atomkraftwerk die nächstgelegene Millionenstadt grillt...
«Was ihr wollt» ist eine wunderbare Komödie, was schon daraus ersichtlich ist, dass das Stück mindestens fünf der allerbegehrtesten Rollen ever written enthält. Es ist aber auch ein Text wie ein Soufflé mit einer ausgeprägten Tendenz zum existenziellen Nihilismus, das im Backofen leicht einmal zusammenfallen kann. Angenommen, ein junger Zuschauer begegnete dem...
Aus dem kleinen Heiner (Müller), hier 1935 anlässlich der Einschulung vor dem Haus der Großeltern im sächsischen Bräunsdorf, ist nicht nur einer der wichtigsten Schriftsteller und Dramatiker deutscher Sprache geworden, sondern auch ein talentierter Prophet mit Kassandra-Ehrgeiz: «Man muss sich um antikapitalistische Alternativen keine Sorgen machen, weil der...
