Essen: Spiel zwischen Leichen
Ein Tunnel aus Nebel windet sich in die Tiefe des Raums. Einzelne Gestalten schälen sich aus dem Dunst, werfen groteske Schatten, beginnen zu tanzen, trudeln in den dunklen Schlund oder werden von ihm ausgespien. Zwischen jeder Szene taucht dieser Spuk erneut auf, wie ein düsterer psychedelischer Trip. Thomas Krupa entwirft in seiner Inszenierung von Noah Haidles «Skin Deep Song» am Schauspiel Essen ein surreales Endzeitszenario in faszinierend verstörenden Bildern.
In dem Stück des New Yorker Theater- und Drehbuchautors hat die Apokalypse bereits stattgefunden, die Schwestern Woden und Mimi streifen durch eine Trümmerlandschaft. Von Ferne tobt der Krieg, «nichts lebt». Ihre Eltern haben sie bei einem Attentat verloren, schleifen aber immer noch ihre Leichen hinter sich her. Um sich ihr Leid erträglicher zu machen, erzählen sie sich Witze oder tauchen in Rollenspiele ein, bei denen sie den Mord an den Eltern durchspielen. Auch den etwas langsamen gleichaltrigen Hal, der in diesem Krieg kämpfen muss (und auch in ihm sterben wird), beziehen sie mit ein. In Rückblenden sieht man sie beim Dauerfeiern mit ihren durchgeknallten Eltern, der Royal Family, die anscheinend den Krieg ...
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Theater heute April 2013
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Natalie Bloch
Das hat schon was: Wie sich der Kameramann mit einer weichen Pirouette vom Bett wegdreht und mit ein paar fliegenden Schritten in den Nebenraum eilt, um dort gerade rechtzeitig – Schnitt – die Heldin ins nächste präzis ausgeleuchtete Close-up zu setzen. Diese Tänzchen der Technik gehören auch zum Genuss eines Katie-Mitchell-Abends; diese kleinen, unwillkürlichen...
Gerald Siegmund Der Begriff der Freien Szene wurde in Deutschland mit Verspätung in den 1980er Jahren geprägt, wo er verbunden war mit einem bestimmten soziokulturellen Milieu, für das freies Theater in Abgrenzung zum institutionellen Stadt- und Staatstheater stand. Die Abgrenzung erfolgte in Bezug auf Themen, Ästhetiken, Spielweisen und verstärkt seit den 1990er...
«Was im nächsten Moment sein könnte, will man ja nicht wirklich wissen, außer vielleicht es handelt sich um die Lottozahlen.» Das weiß auch Philipp Löhle, dessen neues Stück «Nullen und Einsen» er selbst dann noch mit komischen Geschichten spickt, wenn er sich so einem herben Thema wie der stochastischen Unwägbarkeit des Künftigen widmet.
«Nullen und Einsen» ist...
