Die Fiktion der Kritik
Kaum einmal an diesem Abend steht er still. Er tritt von einem aufs andere Bein. Er tänzelt, trägt in sich eine Unruhe, die ansteckt. Vielleicht, weil es kaum möglich ist, sich mit ihm zu identifizieren, ja, weil man ihm am liebsten gar nicht mehr zuschauen und zuhören würde. Dann etwa, wenn er sich über die Blasen auf seiner Haut auslässt. Und weil man doch andererseits nicht anders kann, als von seiner merkwürdigen Art des Spiels angezogen zu werden. Weil man, gebannt und abgestoßen, zumindest sich nicht abwenden mag.
Schwer zu sagen, was es genau ist, das einen zugleich anzieht und abstößt. Er ist nicht auffällig auf den ersten Blick, oder kaum: ein schlaksiger, uns direkt fixierender Mann, schwarze Jeans mit Nietengürtel, schwarze Jacke, darunter ein T-Shirt, auf dem «Heiterkeit» steht. Aber etwas an ihm befremdet, irgendwann fällt es auf: keine Haare, keine Augenbrauen. Vielleicht ist es das, was ihn fremd macht, ja unheimlich. Und zugleich den Blick auf ihn zieht.
Julian Meding, der Performer und Sänger im «Hamlet» des Schweizer Regisseurs Boris Nikitin, begrüßt uns an diesem Abend in der Basler Kaserne auf die denkbar illusionsloseste Weise: Stellt sich mit Namen vor, ...
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Theater heute November 2016
Rubrik: Essay, Seite 28
von Nikolaus Müller-Schöll
Es ist das ultimative Grauen, der Tiefpunkt im Leben von TV-Mann Phil Connors: der traditionelle Murmeltier-Tag in Punxsutawney. Im Zeitschleifen-Selbstopimierungs-Klassiker «Und täglich grüßt das Murmeltier» ist Connors (Bill Murray) dazu verdammt, die ödesten aller öden 24 Stunden wieder und wieder zu durchleben, bis, ja bis es ihm gelingt, das absolut Beste aus...
Ein Mann trifft eine Frau. Trifft? Naja. Fischt sie aus dem Meer nach ihrem Suizidversuch oder «Burn-out im Wasser», wie sie es nennt. Er ist Deutscher, sie Türkin, beide urlauben im Mai am Kalami Beach auf Korfu. Und sie verlieben sich, natürlich, vor roten Felsen und wogenden Wellen. Doch dann ist sie, die sich unfruchtbar wähnte, plötzlich schwanger. Erzählt...
Männer mit Hosenträgern sind mit Vorsicht zu genießen, das sollten Frauen eigentlich wissen. Aber was bleibt Grace übrig. Da strandet sie am rostbraunen Rand der Rocky Mountains, es sind Schüsse gefallen, und jetzt kauert die Fremde wie ein verstoßener Affe in der Nische einer Industrieschleuse (Bühne: Katja Hass), barfuß, das goldene Abendkleid schimmert...
