Leistungsfähig, aber lebensunfähig
Felicia Zellers neuer Text führt unmittelbar in den ganz normalen Wahnsinn der gegenwärtigen, immer schneller werdenden Arbeitswelt und beschreibt dabei bestimmte Formen von Normalität, wie sie sich in unserer modernen Gesellschaft zunehmend etablieren: Normal ist, dass man sich fast ausschließlich nach Menge und Qualität geleisteter Arbeit beurteilt. Normal ist, dass man sich in seiner Arbeit selbst verwirklicht. Normal ist, dass man sich uneingeschränkt mit ihr identifiziert.
Normal ist, dass zwischen Arbeit und Freizeit kaum mehr unterschieden wird – Arbeit ist nicht mehr das halbe, sondern das ganze Leben. Das ursprüngliche Privatleben weicht der permanenten beruflichen Verfügbarkeit, und der will man nicht im Weg stehen. Die Kontrolle von außen ist enorm, und trotzdem soll jene Selbstaufgabe als Freiheit begriffen werden. Eine clevere Finte der gegenwärtigen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, die Menschen mit Haut und Haar im kapitalistischen Verwertungszusammenhang aufgehen lässt. Enthusiastisch, engagiert, kreativ, leistungsorientiert – auch leidend, aber das gehört dazu.
So auch für Managerin Anne, Bildhauer Peter und Koch Holger, drei Freunde auf dem Höhepunkt ihrer ...
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Theater heute Jahrbuch 2012
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 171
von Sibylle Baschung
DC Moore führt uns in «Afghanistan» in eine «entfernte Gegend» und ins Herz der Finsternis – in einen der Kriege unserer Zeit. An einen Ort, von dem wir nichts wissen wollen. Dabei kämpfen nicht nur in Afghanistan schon lange auch deutsche Soldaten für «Enduring Freedom» – ohne dass die zu Befreienden groß gefragt worden wären – und gegen einen oft recht vage...
Unterschiedlicher könnten die Stücke des Jahres nicht sein: Im deutschen Sprachraum siegt Peter Handkes Geschichtssprachraumdrama «Immer noch Sturm» vor René Polleschs Individualiätsgruppenturnübung «Kill your Darlings!». Das ausländische Stück des Jahres ist Simon Stephens’ internationales Krimipuzzle «Three Kingdoms». Texte, Reden und Gesprächsbeiträge von Thomas...
Vor fast hundert Jahren – und damit lange vor Artaud – hatte der russische Theateravantgardist Nikolai Jewreinow das Theater mit dem Schafott verglichen. Er träumte von einer Theatralisierung des Lebens und sah in Napoleon den größten Regisseur aller Zeiten. In seinem Kabarett «Der Zerrspiegel» bereitete er dem damaligen Theater symbolisch das Schafott, indem er...
