Dr. Christov und Mrs. Bakargiev
Am Tag der documenta-Eröffnung für Journalisten kursierte eine Anekdote, die – selbst wenn sie nicht ganz so stimmt – alles über die zwei Gesichter der Carolyn Christov-Bakargiev aussagt. Kurz bevor die künstlerische Leiterin der 13. Ausgabe dieser Weltkunstschau in Kassel vor hunderten Journalisten ihr Konzept erläutern sollte, drohte sie angeblich damit, die Pressekonferenz abzusagen. Und warum? Weil die Seriennummern auf den weißen Containern, in denen Kassen, Imbisse und Buchläden untergebracht sind, in ihren Augen zu groß geraten waren.
Natürlich würde man so einen Schwachsinn normalerweise nicht glauben wollen, aber da viele der sonst von «CCB» getätigten Aussagen an ihrem gesunden Menschenverstand zweifeln ließen, war man geneigt, selbst diesem Gerücht Glauben zu schenken. Vom Wahlrecht für Hunde und den Kulturleistungen der Tomatenpflanze sprach sie in Interviews, ließ sich in Texten weidlich über «traumatisierte Kunstwerke» aus und erklärte die totale Verwischung der Grenzen zwischen Wissenschaft und Kunst zu ihrem hehren Ziel.
Auf der anderen Seite zeugt die Manie der so energischen wie herrischen Kuratorin mit italienisch-bulgarischen Wurzeln und amerikanischer ...
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Theater heute Juli 2012
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Till Briegleb
Wolfgang Wiens ist tot. Mit ihm ist eine der letzten großen Dramaturgen–persönlichkeiten gegangen. Er war kein Feuilletonist, kein Philosoph, kein Künstler-Bohemien, sah sich nicht als Regisseur (obwohl er gelegentlich als solcher arbeitete), war kein Theaterautor, kein Kunst-Ideologe, kein Weltverbesserer, kein Kurator oder Diskursspezialist. Nein, er leistete als...
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Die Milch macht’s. Genau genommen die Muttermilch, die diesen Räuber-Knaben womöglich etwas früh entzogen wurde. Schlaff sitzen sie in Unterwäsche beieinander und putzen Stiefel, bis Vater Moor um die Ecke kommt, den Stubenappell abnimmt und sie gestreng in die Heia schickt. Später hocken die Buben in hautengen Lederhosen vor einem idyllischen Waldsee-Panorama,...
