Kulturfeudalismus à la francaise
Vorhang zu im Drama um die Absetzung von Olivier Py als Leiter des Odéon-Théâtre de l'Europe in Paris. Als eines von fünf Nationaltheatern (vier in Paris plus das von Straßburg) untersteht das Odéon dem Kulturminister, also gegenwärtig Frédéric Mitterrand, mithin dem Staatspräsidenten, und die Nachricht, Py werde nach seiner ersten Amtszeit von fünf Jahren nicht verlängert, wie es eigentlich Usus wäre, dafür komme nun Luc Bondy ans Odéon, der mit seinen 63 Jahren gerade noch knapp ins wählbare Alter passt – die Nachricht kam
für alle einigermaßen überraschend.
Selbst für Präsident Sarkozy, wenn man seinen Miss-mutsbezeugungen glauben darf; möglicherweise reagierte er damit aber auch nur auf die öffentliche Verstimmung. Denn die Aktion sei mit Bondy und Sarkozy eingefädelt gewesen, ist gerüchteweise zu vernehmen. Mitterrand sagt, er habe mit der Meldung raus müssen, weil ihm Internet-Blogs vorgriffen.
Wie auch immer: Die Proteste waren geharnischt. Künstler stellten sich hinter Py, Journalisten fragten sich, was er wohl falsch gemacht habe. Natürlich hat er nichts falsch gemacht. Seine Amtsführung am Odéon ist tadellos, er hat das Theater mit begleitenden Debatten und ...
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Theater heute Juni 2011
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Andreas Klaeui
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