Roman: Im Asia-Döner
Im Gegensatz zu vielen eher orientierungslosen Zeitgenossen hat sich der Bitterfelder Bürger Hermann Odetski auch Jahre nach dem Mauerfall beneidenswert klare Ideale bewahrt. «Sehr geehrte Frau Honecker», wendet er sich per Brief an die ehemalige Volksbildungsministerin und Witwe des Staats- und Parteichefs der DDR: «Der allgemeine Zustand unserer heutigen Jugend scheint mir von Egoismus und/oder Richtungslosigkeit geprägt.
» Beim eigenen Sohn Phillip, der sich wiederholt an der Berliner Kunsthochschule beworben hat und die Warteschleife in der sächsisch-anhaltinischen Heimat schon seit geraumer Zeit mit fragwürdigen ABMs überbrückt, erscheint Herrn Odetski «die Sachlage» sogar «noch verschärfter»: «Ich würde sagen», analysiert er auf der alten volkseigenen «Erika» mit der dysfunktionalen «ß»-Taste messerscharf, «die Richtungslosigkeit ist in Langeweile umgeschlagen» und «die Langeweile in völliges Abhandengekommensein von Sinn!»
Präziser lässt sich der kollektive Status quo wahrscheinlich nicht beschreiben in der einstigen realsozialistischen Chemiestadt Bitterfeld anno 2002, wo der Debütroman des Dramatikers Dirk Laucke spielt. Aufstrebende Zeitgenossen wie der «geschmeidig ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2015
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Christine Wahl
Das Theater als Turm zu Babel, der aber nicht zusammenkracht, sondern stabil steht – dieses Bild trifft das Ruhrgebiet mit seiner Tradition als Einwanderungsland nicht schlecht und ein «Festival der Künste», wie die Ruhrtriennale sich im Untertitel nennt, ohnehin gut. Auch aus Heimweh kehrt Johan Simons aus München, wo er die Kammerspiele zum vielsprachigen...
Bernd Noack Herr Schulz, was ist hier in Dresden eigentlich los?
Wilfried Schulz Naja, das fragen wir uns natürlich selber im Moment. Es ist wirklich eine nur sehr schwer zu verstehende Bewegung, die zwar im Kern etwas mit Dresden zu tun hat, aber natürlich nicht ausschließlich mit Dresden. Ich komme gerade aus Düsseldorf, und da finden dieselben Dinge im kleineren...
Ein neues Haus, eine neue Intendantin. Aber keine freudige Erwartung. Zu schwer wiegen die Hypotheken der Vergangenheit und die Lasten der Gegenwart. Wenn man das neue «Theater am Engelsgarten», wie sich die neue Spielstätte des Wuppertaler Schauspiels nennt, mit der alten vergleicht, erhält man ein Bild für die veränderte gesellschaftliche Situation des...
