Katerstimmung im Rheinland
Die Götter sind oben, die Menschen sind unten, und in der Tiefe der Erde, die Toten und die Verdammten, Olympos und Tartaros, Himmel und Hölle: Seit Jahrtausenden existiert diese vertikale Vorstellung der Welt. Ebenso alt wie dieser Mythos ist das Bild der Bestrafung. Der Sturz: Fall der Körper, aus verschiedener Höhe, versteht sich, aus der Macht, aus dem Leben, aus dem Himmelreich. Der Mensch stürzt, weil er gesündigt hat, Frevler heißt der Sünder in der griechischen Mythologie.
Aber gibt es da nicht noch die anderen, die Unschuldigen, Namenlosen, die auch stürzen oder gestürzt werden, Opfer menschlicher und unmenschlicher Gewalt?
«Welches Geschrei voll Missklang hebt sich in der Stadt?» Wo sind wir, und wer spricht da? «Ich glaub, Geschrei voll Missklang hebt sich in der Stadt», so spricht bei Aischylos Klytaimestra im ersten Teil der «Orestie» (übersetzt von Oskar Werner). Diese Tragödie
erzählt auch von Stürzen, vom Sturz des besiegten Troja und vom Sturz des Siegers Agamemnon, Herrscher von Argos, den nach seiner Rückkehr seine Frau Klytaimestra im Bad mit der Axt erschlagen wird. Klytaimestra spricht zum Stadtvolk, einem Chor alter Männer, die, zu schwach, um in den Krieg zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2010
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 178
von Rita Thiele
Ewald Palmetshofer kämpft. Das kann man lesen. Hier schreibt niemand, der sich seiner Sprache, seiner Themen oder seiner Kunstgriffe sicher ist. Hier fordert ein Schreiben sich heraus in neue Zusammenhänge. Schon der Titel ist eine Zumutung. Fühlt man sich vom ersten Wort beschimpft, bleibt der Satz danach ein Stummel und ist nur schwer verständlich. Und so geht es...
Eisenstein gibt es wirklich: Ein 1000-Einwohner-Dorf in Niederbayern, unmittelbar an der Grenze zu Tschechien. Die Homepage der Gemeinde wirbt mit sauberer Luft, landschaftlicher Schönheit und dem Spruch «Eisenstein liegt nicht irgendwo, sondern mittendrin». Womit in erster Linie der Bayerische Wald gemeint ist. Doch durch seine Grenzlage war Eisenstein auch ein...
Die Idee zu dem Stück sei ihm in Südamerika gekommen. Dort, an der Grenze zwischen Chile und Argentinien, plane man, einen ganzen Gletscher abzutragen und anderswo wieder aufzubauen, um an die darunter liegenden Bodenschätze zu kommen. Was wäre, schreibt Philipp Löhle, wenn «man etwas ganz Fernes einfach aufs Hier überträgt, auf uns, auf unsere Gegend, unsere...
