Nur die ganze Welt
Am Anfang stand ein besonderer Fall von investigativem Journalismus. Jacob Applebaum, der NSA-Rechercheur und Snowden-Vertraute, sollte in seiner «Theater der Welt»- Eröffnungsrede über zwei Aspekte von Aufklärung sprechen – Lessings Traum und den Alptraum der Spionage –, redete aber lieber aus aktuellem Anlass in eigener Sache.
Denn der gerade frisch gekürte Henri-Nannen-Preisträger hatte herausgefunden, dass der legendäre «Stern»-Chef als Wehrmachtsoffizier Nazi-Propaganda betrieben habe und auch in die Gespräche um den Abdruck der gefälschten Hitler-Tagebücher involviert war. Beides hätte er bereits bei der Hamburger Preisverleihung ansprechen wollen, sich aber dann doch nicht getraut. Böse einschüchternder sozialer Druck in den heiligen Hamburger Pressehallen habe ihn davon abgehalten. Jetzt vor dem Mannheimer Theaterpublikum aber fühle er sich davon frei und wolle gleich noch darauf hinweisen, so erklärte er zur Premiere, dass weder der «Spiegel» noch die «Süddeutsche Zeitung» seine Mannheimer Eröffnungsworte abdrucken wollten, obwohl sie das vorher angekündigt hätten. Warum wohl?
Große Fragezeichen schwangen von der Bühne. Weil die Flaggschiffe des deutschen
Enthüllungsjour ...
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Theater heute Juli 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 4
von Franz Wille
Es ist nicht ganz einfach, ernst zu nehmende Kollegen bei der Verwechslung von Schauspielern mit ihren Bühnen-Figuren zu ertappen. Ein Theaterkritiker, der einen Mephisto-Darsteller ohne Ironiesignale fragen würde, ob er auch im Privatleben Blut als ganz besonderen Saft abfeiert, hätte sich professionell sofort erledigt. Erzählt man allerdings im Kollegenkreis,...
Der Mann, ein König, ein Tyrann, stürmt aus der Tiefe des Raums im wehenden Mantel, als wolle er alle Welt gleich überrennen. Schon ist er nah, da fährt ein unsichtbarer Blitz ihm in die Glieder, und mit dem Mann scheint auch die ganze Welt für einen Augenblick stillzustehen. Der Mann im Innehalten sagt kein Wort, nur fällt in dieser langen, kurzen Weltsekunde sein...
Natürlich wäre Henry Hübchen die perfekte Besetzung gewesen. Für die Rolle des Frank Castorf kaum sichtbare fünf Jahre zu alt, aber in ähnlich ganzjährig gebräunter Top-Form wie der ewige Intendant vom Rosa-Luxemburg-Platz. Ebenfalls gebürtiger Berliner (wenn auch Charlottenburg statt Prenzlauer Berg) und also von Kindesbeinen an ausgestattet mit der lokalen...
