Formfleisch kritische Masse

Die 17. Schillertage in Mannheim trafen auf ein gutmütiges Publikum

Theater heute - Logo

Glücklich ist Schiller vor mehr als 200 Jahren in Mannheim nicht gewesen. «Mannheim ist schlechterdings keine Atmosphäre für mich», schrieb er an einen Freund, nachdem Nationaltheater-Intendant Dalberg dem 1782 aus Württemberg Vertriebenen die
Unterstützung verweigert hatte. Tempi passati. Heute hat man Schiller in Mannheim so lieb, dass er so etwas wie der Markenkern der 290.000-Einwohnerstadt zwischen Rhein und Neckar geworden ist.

Seit 1978 schon veranstaltet das Nationaltheater Mannheim die so genannten «Schiller­tage», zehn Tage im Juni, in denen sich Gastspiele aus dem In-und Ausland mit Eigenproduktionen mischen, Stipendiaten aus aller Welt über Theater nachdenken, junge Kulturstudenten eine Zeitung zum Festival machen und bei nächtlichen «Schill-outs» abhängen. In diesem Jahr hatte sich das Festival die Überschrift «Kritische Masse» gegeben, unter der sich jede Menge Sturm-und-Drang-Schiller locker subsumieren lässt. Das Motto wollte natürlich mit feinem Doppelsinn verstanden werden: voll politisch (und spieltheoretisch) als jener Kippmoment, in dem die Kritik (oder der Zorn) Einzelner sich zum kollektiven Aufstand weitet, und kunstintern als jene Agglomeration Einzelner, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2013
Rubrik: Magazin: Festival, Seite 67
von Barbara Burckhardt

Weitere Beiträge
Die geteilte Seele von Bengaluru

Heute Bengaluru, vor fünf Jahren hieß es noch Bangalore, im 12. Jahrhundert Benda Kaaluru. Benda Kaalu waren «Baked Beans», die einer Legende nach eine alte Frau dem König Veera Ballala anbot, als er beim Jagen im Wald verlorenging. Aus Dankbarkeit erbaute er an dieser Stelle: Bendakaulluru.

Es ist eines dieser merkwürdigen, indische Zeitbrüche integrierenden...

Ein unmögliches Paar

Luc Bondy und Stefanie Carp, der Intendant und die Schauspieldirektorin der Wiener Festwochen, waren eigentlich ein unmögliches Paar. Der eine gehört zu den letzten Vertretern der Spezies Theatertheaterregisseur, die andere ist eine moder­ne Theaterintellektuelle. Der eine inszenierte ein Stück nach dem anderen vom Blatt, die andere kuratierte ein Programm, in dem...

Spielpuppenland

Geld ist wohl genug da, im Zwischenmensch­lichen aber hapert es bei Sandra und Herwig. Söhnchen Marko starrt stumpf in die Welt, und dann ist da noch die Sache mit den Fröschen rund um den Swimming Pool. Auch die lassen nicht mit sich reden, laichen vor sich hin, werden immer lauter und liefern den Titel für das Stück von Johannes Hoffmann, der damit den...