Hoffnung auf Änderung
Viel Unglück für Ursula, Anfang 60, alleinstehend, kinderlos. Abends wird sie von ihrer unerbittlich geselligen Mutter terrorisiert, mittags von der netten Kollegin Sabine niedergeredet. Zwischendurch flieht sie in erotische Fantasien mit Harald, ihrem ersten Freund. Dann stirbt die Mutter, und Ursula wird arbeitslos. Folgt ein freudloser Urlaubsversuch und eine triste Männerbekanntschaft mit einem geilen Rentner, der sie auch noch sitzen lässt.
Am Ende soll sie nach dem Willen ihres Autors sogar die lindernden Träumereien mit Harald aufgeben, um nach Silvester ein neues Leben zu beginnen.
Jan Neumanns «Herzschritt» türmt die Klischees des Sozialdramas vom ausweglosen Unglück mit finalem Hoffnungssilberstreif furchtlos übereinander und lässt dabei offen, ob er das Genre in die tiefste Verzweiflung oder die gröbste Parodie stürzen will. Gesprochen wird – von Sabines Logorrhoe einmal abgesehen – wortkarg wie beim frühen Kroetz, was 30 Jahre nach «Heimarbeit» allerdings nicht mehr nach sozialer Not klingt, sondern nur noch beschränkt.
Menschen auf der Bühne müssen nicht unbedingt intelligent sein, wenn sie nur ein Problem haben, mag sich Katja Paryla gesagt haben. Ihre Ursula steht ...
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