Glaube, Hoffnung, Liebe
Ja, ich bin in Wolgograd geboren. Kennen Sie wahrscheinlich besser als Stalingrad. Und ja, wir haben den Krieg gewonnen!», kontert Marianna Salzmann mit einem angriffslustigen Lächeln, wenn man sich vorsichtig ihrem «Hintergrund» nähert. Spiel, Satz, Sieg, versenkt. «Ich bin jiddischer Witz, eine Jüdin aus Stalingrad, die jetzt in Deutschland lebt.» Über ihr Jüdisch-Sein redet sie viel und offen, auch darüber was es heißt, eine jüdische Mutter zu haben. Aber eine jüdische Mutter ist keine private Angelegenheit, sie ist eben auch ein Topos der Weltliteratur.
Auf ihr liegt die ganze Last und Verantwortung, das Überleben einer oft verfolgten Minderheit zu sichern.
Ihre Kinder sollen wachsen und blühen, sie sollen der Stolz ihrer Familie, ja ihres Volkes sein, und alle, die Nachbarn und die ganze Welt, müssen dann endlich sehen: Wir sind nicht schlechter! Oder sie muss zumindest immer neuen Stoff liefern für wunderbare Witze über sie.
Aber genug des interpretatorischen Forschens in der Biografie einer Autorin, denn der emanzipatorische Kampf um gleiche Rechte und Anerkennung steht paradigmatisch für viele moderne Konflikte um Migration und um das Aufeinandertreffen von Minderheiten und ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 194
von Jens Hillje
Das ideale Theater hat in meinem Traum folgenden Spielplan:
«Othello» – Regie Peter Zadek, Deutsches Schauspielhaus Hamburg 1976
«Gänge» – Choreografie William Forsythe, Frankfurt 1983
«La tragédie de Carmen» – Regie Peter Brook, Théâtre des Bouffes du Nord 1983
«Die Macht der theaterlichen Torheiten» – Regie Jan Fabre, Troubleyn Theater Amsterdam 1984
«Küsse Bisse...
Ich glaube nicht mehr an das Theater. Jedenfalls nicht in der Form, bei der sich eitle Nostalgiker an ihre sinkenden Theatermuseums-Schiffe klammern und laut schreien, weil keiner die Reparatur bezahlt. Da sitzen sie, die alten Männer aus der alten Zeit, und pinseln noch mal neue Farbe auf die Bretter, die sie eigentlich hätten erneuern müssen. Sie haben ihre...
Ich möchte ein Theater aus Glas haben.
Mitten in der Stadt.
Das Theater besteht aus zwei Gebäuden.
Beide haben eine Ur-Form.
Das eine hat den Grundriss eines Kreises, das andere ist ein Quadrat.
Die Wände sind aus Glas.
Wenn man auf der Straße vorbeiläuft, kann man reinschauen und
sehen, wie geprobt wird.
An manchen Probentagen ist die Fassade geöffnet, und die...
