Archäologie der DDR

In Berlin graben Armin Petras und Sebastian Baumgarten in der Vergangenheit des Sozialismus: Christa Wolfs «Der geteilte Himmel» und Heiner Müllers «Zement»

Theater heute - Logo

Jeder Fortschritt hat seinen Preis. Und sei es einen intellektuellen. Wenn man Werbeplakate prangen sieht mit einer Frau auf den Schultern eines Mannes, vier goldenen Paketen in der Hand und der Botschaft «Ich kann endlich so lange shoppen, wie ich will», dann ahnt man, wo die Kosten unserer hochtechnisierten Marktwirtschaft liegen: in Innovationen, die zu bloßen Suggestionen werden, in einem Konsum, der Zweck und Maß verliert, in der Verkümmerung des Blicks, wofür es sich zu leben lohnt.

Auf die Shoppingcenter-Werbung lenkte Stutt­garts Neu-Intendant Armin Petras in einem Interview wenige Tage vor seiner Rückkehr nach Berlin (an die Schaubühne, nicht an sein altes Gorki Theater) das Augenmerk, um den Punkt zu bezeichnen, von dem er sich mit seiner Christa-Wolf-Inszenierung «Der geteilte Himmel» abstoßen wollte. Gegen das Heute, das die gesamtgesellschaftliche Umsicht ein­büße, setzte er die DDR-Erzählung aus den Tagen des Mauerbaus, eine Liebesgeschichte, umweht vom Hauch der sozialistischen Gesellschaftsutopie, mit Kämpfern der Produktion statt Popanzen des Konsums.

«Es war die Zeit des großen kollektiven Glaubens», sagt Rita 1989 rückblickend zu ihrem Manfred in einem freien ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 9
von Christian Rakow

Weitere Beiträge
Grenzen der Freiheit

Unter Musikern erfreut sich das schimärische Konzept einer bedingungslosen Werktreue – auch mit Bezug auf die darstellenden Künste – einer besonderen Beliebtheit. Das hartnäckig vorgebrachte und in Diskussionen gar nicht leicht zu entkräftende Argument lautet ungefähr so: «Wenn ich eine Komposition von Brahms spiele, führe ich doch auch jede Note und jede Tempo-...

Die Schamgrenze ist durchbrochen

Bernd Noack Herr Schulz, was ist hier in Dresden eigentlich los?
Wilfried Schulz Naja, das fragen wir uns natürlich selber im Moment. Es ist wirklich eine nur sehr schwer zu verstehende Bewegung, die zwar im Kern etwas mit Dresden zu tun hat, aber natürlich nicht ausschließlich mit Dresden. Ich komme gerade aus Düsseldorf, und da finden dieselben Dinge im kleineren...

Münster: So viel Zufall!

Warum konnte die rechtsradikale Terrorzelle NSU eigentlich über viele Jahre zahlreiche Mitbürger ausländischer Herkunft ermorden, ohne überführt zu werden? Wieso hat der Verfassungsschutz jahrelang in die falsche Richtung ermittelt, indem er einen rechtsextremen Hintergrund der Taten ausschloss und sich auf organisierte ausländische Kriminalität und türkische...