L’ Art du théâtre
Keine Ahnung, was «Schwellenangst» auf Französisch heißt. Es wird schon ein Wort dafür
geben. Aber was Angst vor der «S.» ist, das lässt sich beispielhaft ablesen an der im letzten Sommer erschienenen Saisonbroschüre, mit der Pascal Rambert, der neue Leiter des Théâtre de Gennevilliers, sein Zielpublikum umwirbt. Wobei es sich durchaus um eine prätendierte Angst handeln kann, so übertrieben wirkt das «Abholen» des Publikums in seiner unterstellten Schmollecke vor den Toren der Hochkultur.
Begegnung, Aufbruch, Vernetzung, Gemeinsamkeit, Erlebnis, Inklusion, so geht die Litanei. Was man eben so schreibt auf vielen, vielen appellativen Kurzzeilen. – Dass man in diesem Theater Abitur braucht und dann immer noch keinen Ton versteht, das soll es nie wieder geben, wird da zum Beispiel versprochen. Das heißt schon ziemlich ungeniert mit der Wurst nach der Speckseite werfen, von der Beleidigung ganz abgesehen, die der Satz für Bernard Sobel, den etwas plötzlich verabschiedeten Vorgänger, bedeutet, der das Theater einst in einem alten Kino gegründet hat. Gewissermaßen als self-fulfilling prophecy zeigt das Heft ausgewählte Bewohner von Gennevilliers im unverkrampften Umgang mit Prominenten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das Wiener Burgtheater hat sich in zwei Großproduktionen gestürzt, riesige Textberge riefen zu ihrer Besteigung auf. Bergauf hätte es gehen sollen mit großen Debatten im Gepäck: über Väter & Söhne, Gott & Teufel, Vatermord & Vater Krieg. Aber dann sah man, schon am Fuß der Textbergriesen scheiternd, nichts als Flachlandtiroler in Nicolas Stemanns Dramatisierung von...
Man stelle sich vor, die Erde wäre 500 Jahre weiter und alle Unzulänglichkeiten der gegenwärtigen Weltlage in einem futuristischen «Bestland» gelöst. Rebekka Kricheldorfs Brave New World sieht zu diesem Zweck ein staatlich verordnetes Gleichheitsregime vor, mit dem verglichen jeder vergangene Einheitssozialismus ein hemmungsloser Individualisierungsexzess war....
In Bernd Stegemanns ausführlicher und höchst lesenswerter Rezension der Theatergeschichte Günther Rühles in TH 12.07 gibt es leider einen gravierenden Irrtum. Stegemann schreibt:
«Bis zum Eintreffen des Geldes von Goebbels und Konsorten waren die Theater überwiegend privatwirtschaftliche Unternehmen.»
Die Hauptmasse der Theater außerhalb Berlins bildeten...
