Das Hans-Moser-Festival
Es gibt junge Theaterautoren, deren erstes Stück routiniert wirken soll, als sei das erste Dutzend bereits voll. Das kann bei Absolventen einschlägiger Studiengänge vorkommen. Zum Beispiel, wenn man wie Christina Kettering (24) am Deutschen Literaturinstitut Leipzig die Fächer Prosa und Dramatik/Neue Medien belegt hat. «Der Gast» ist ihr erstes Stück und man fragt sich, ob es ihr bei dem surreal anmutenden Ausflug ins arbeitslose Gastgewerbe tatsächlich um den Koch, den Barmann und den Rezeptionisten in einem ausgedienten Hotel gegangen ist.
Oder ob sie sich nicht doch besser nur um die Frau gekümmert hätte, die ungefähr nach dem ersten Drittel des Stücks wie eine Irrläuferin auftaucht. Im Prinzip ergeht es der Frau nicht anders als dem Restpersonal, das den toten Hotelbetrieb aufrecht erhält, als erwarte man jede Minute Busladungen von Gästen. Die Frau hat im Gegensatz zum Hotelpersonal allerdings etwas durchaus Lebendiges und wirkt wie eine jener aus der Zeit gefallenen Zeitgenossinnen, die ihre Arbeit verloren haben oder auf der Suche nach einer Festanstellung sind.
Angeblich ist sie angereist, weil es um ihre erste Professur geht. Ob das stimmt, ist allerdings fraglich. Es ...
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Es war im November 1619, kurz nach Ausbruch des Dreißigjährigen Kriegs. René Descartes, ein 23-jähriger Offizier im Dienste der Armee Moritz von Oraniens, sitzt fest im Winterquartier in Neuburg bei Ulm. Wieder war ungewöhnlich viel Schnee gefallen – diese Periode langer, harter Winter in Mitteleuropa gilt später als «kleine Eiszeit» –, und nicht nur der...
Gegen Schillers Hitze – die Kälte, gegen Schillers Höhe – die Fläche, gegen Schillers Pathos – die Beiläufigkeit, gegen Schillers Universalismus – das Private. Wogegen man aninszenieren muss, weiß man bei Schillers «Räubern» immer. Schon Schiller selbst gab in seiner Selbstrezension der Uraufführung von 1782 Ratschläge, wie man gegen sein Stück vorgehen solle: vor...
Alte Wunden eitern länger. Vor allem, wenn sie aus der Kindheit stammen. Wenn sie der Bruder, die Schwester gerissen hat, wenn sie einfach nicht heilen wollen, weil immer wieder jemand kommt und nicht vergisst und daran kratzen muss, an dieser dünnen Kruste, an diesen blutigen Flecken in der Erinnerung. So geht es den Geschwistern in Daniel Mursas...
