In Kleiderordnung
Einer Frau, die so ein Blümchenkleid schon während der Ouvertüre tragen muss, bleibt nichts anderes als der Selbstmord. Kein Drama muss das noch näher erklären. Keine Janácek-Musik, keine verbotene Liebe und keine gesellschaftliche Repression, ja nicht einmal eine böse Schwiegermutter. Man kann sich nun streiten, ob die Kostümbildnerin ein gutes Händchen hatte, indem sie Elend, ein hoffentlich historisches weibliches Rollenelend, so auf den Punkt gebracht hat.
Oder ob sie – und zu dieser Deutung lädt Michael Thalheimers Inszenierung durchaus ein – allen Ernstes mit diesen Blümchen die oft erwähnte Lebendigkeit der Katja Kabanowa symbolisieren wollte, die Lebendigkeit, von der sie im ersten Akt des Stückes fürchtet, dass sie ihr im Muff ihrer Ehe und im Knast der von der Schwiegermutter beherrschten Familie für immer abhanden kommen könne. Die sie dann gegen religiöse Überzeugung und fromme Gelöbnisse nach dem Strohhalm eines Abenteuers greifen lässt. Die Lebendigkeit schließlich, die im letzten Akt – weil Religion, Gesetze und Liebe, Freiheit, ja der auch nicht verschwiegene Traum vom Fliegen nicht zusammengehen – nur durch entschlossene Negation als Prinzip gerettet werden kann. ...
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Preise/Auszeichnungen
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Nachmittagsvorstellung an einem Sonntag im Januar, volles Haus, das Schweizer Fernsehen ist auch da und filmt für irgendeine Kultursendung. In der Pause fragt das blonde Garderobenfräulein: «Und? Finden Sie das jetzt auch obszön? Also, ich habs ja noch nicht gesehen, aber viele Leute sagen, das wäre total obszön!» Hm. Nach der Pause sind die drei alten Damen aus...
Mit der Kultur ist das so eine Sache. Sie ist ein Suffix, das man an jeden beliebigen Begriff anhängen kann: Wohn-, Ess-, Freizeit- oder gar Freikörper-… – alles kulturelle Phänomene. In den Medien kommt der Begriff aber auch gerne als Präfix vor, vorzugsweise als Kulturauftrag. Das DeutschlandRadio (nur echt mit der Arno-Schmidtschen BinnenMajuskel) schlägt jetzt...
