Nachrichten aus Dystopia

Die Wiesbaden Biennale treibt unter dem Motto «Bad News» die Umkehrung der Verhältnisse voran

Theater heute - Logo

Keine schöne neue Welt, nirgends: Die zweite Wiesbaden Biennale entwirft die Topografie einer Dystopie. In den prächtigen Kitsch des neobarocken Foyers vom Hessischen Staatstheater ist die Filiale einer Supermarktkette eingezogen, in das pannesamtene Große Haus mit seinen Glaslüstern ein Parkhaus, ins Untergeschoss ein Pornokino. Werbeplakate schmücken den Säulengang vor dem Haus. Theater findet hier nicht mehr statt.

Was sich in vielen anderen europäischen Ländern abspielt – Ungarn allen voran –, hat auch Wiesbaden erreicht: der Raubbau an der Kunstszene, die Aufkündigung der scheinbaren Selbstverständlichkeit, Kunst sei ein elementarer Bestandteil unserer Gesellschaft. 

Die Kurator*innen Maria Magdalena Ludewig und Martin Hammer erproben auf Zeit, was andernorts Wirklichkeit ist. Kamen die Theater-Transformationen bei ihrer ersten Biennale 2016 noch recht charmant daher, wenn sie beispielsweise im Foyer ein Hotel einrichteten, das bald ständig ausgebucht war, so zieht der Ton bei der zweiten Festival-Ausgabe merklich an. Unter dem Titel «Bad News» geht es raubeinig zu, provokativ, tolldreist. Bisweilen erscheint das Festival geradezu als Feld­versuch für Zerstörungsfantasien und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2018
Rubrik: Festivals, Seite 18
von Esther Boldt

Weitere Beiträge
Mannheim: Alltag im All

Ist schon eine Weile her, dass ein gewisser Major Tom die Ground Control anfunkte und sich dar­an gewöhnen musste, dass irgendwas schief läuft. Das war 1969. Dreizehn Jahre nach David Bowie ließ Peter Schilling denselben Major im All schweben und sorgte dafür, dass der lost Tom «völlig losgelöst» war. Die neue deutsche Welle hielt sich mit Text nicht wirklich lange...

Festival: Erfahrene Tresen­steher

Ein Musical, ausgerechnet. Mit Andreas Doraus «König der Möwen» entwickelte sich das in der avancierten Theaterwelt vielgeschmähte Genre schon Wochen vor der Premiere zum Publikumsrenner beim Internationalen Sommerfestival im Hamburger Kulturzentrum Kampnagel. Nicht etwa eine Parodie, sondern ein echtes Musical, mit schmissigen Songs von Elektropop-Urgestein Dorau,...

Daten (10/2018)

Aalen, Theater der Stadt
6. Dyrek, Venedig im Schnee

R. Tina Brüggemann
7. Stori, Die große Erzählung
R. Winfried Tobias

Altenburg/Gera, TPT
13. Gieselmann, Herr Kolpert

R. Philipp Kugler

Annaberg, Eduard-von-Winterstein-Theater
7. nach Balling und Bahs, Die Olsenbande II – Der große Theatercoup

R. Urs Alexander Schleiff 

Augsburg, Theater
26. Tatort Augsburg, Folge 4:...