Wie der neue Markt das Neumarkt fressen wollte

Nachtrag zu einer Zürcher Feuilleton-Debatte

Theater heute - Logo

Es war am 12. November um 15:02 Uhr, ich weiß das so genau, weil ich auf einer Leiter stand und gerade unsere Küche strich, da klingelte das Telefon. «Morgen schreib ich, dass man das Neumarkt ganz anders machen sollte! Alle raus, nur noch Freie rein, einer wie Samuel Schwarz soll das leiten. Oder gehst du etwa noch ins Neumarkt?», sagte mein Ex-Chef vom Zürcher «Tages-Anzeiger», Guido Kalberer.

Dazu zwei Bemerkungen. Erstens: Ich mag meinen Ex-Chef. Grundsätzlich. Zweitens: Ich bin Team Schwarz. Auch grundsätzlich.

Drittens: Ja, ich bin in der vergangenen Saison auch nicht mehr freiwillig ins Theater Neumarkt gegangen. Irgendwas stimmte nicht im Hause Kastenmüller/Fiedler. Viertens dachte ich mir: Oh Gott, nicht schon wieder so eine sturzgeborene Zeitungs­debatte, an die ich mich gut erinnern konnte. Sie hatten in meinen 16 Jahren beim «Tages-Anzeiger» immer irgendwie mit Hunden, pädophilen Pädagogen oder zu teurer Kultur zu tun.

Tatsache ist: Die erste Kastenmüller/Fiedler-Saison am Neumarkt schloss mit schlechten Zahlen. Richtig schlääächten Zahlen. Nur 10.000 Besucher bei 5 Millionen Subventionen. Aber egal, es war die erste Saison. Die zweite eröffnete dafür sofort mit zwei ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2015
Rubrik: Magazin Debatte, Seite 59
von Simone Meier

Weitere Beiträge
Mittelstand am Gefrierpunkt

Ein paar Tische auf einer sonst leeren Bühne, über der ein Billboard im Stil der 1950er Jahre schwebt und das auf Englisch und in wechselfarbigen Neon-Buchstaben zum Leben in den Vororten einlädt («Train fares are SO CHEAP») – das ist alles, was Intendant Enrico Lübbe und sein Bühnenbildner Raimund Orfeo Voigt brauchen, um «Zeiten des Aufruhrs» in Szene zu setzen....

Grenzen (auf) der Bühne

Sie kommen aus dem Norden. Die Grenze ist löchrig, und Schlepperbanden besorgen den Rest: zu Fuß, über das Land, herunter vom Hochplateau, aus den angrenzenden Nachbarländern Zimbabwe, Mosambik, Angola, aus Zentralafrika, dem Kongo, aber auch aus dem Nordwesten, Senegal, Elfenbeinküste.

Sie kommen aus dem Süden. Zu Fuß, durch die Wüste, überqueren Landesgrenzen des...

Menschenrechte für alle

TH Gelten die Menschenrechte nur für Westeuropäer? Wie gehen wir mit Flüchtlingen um? An verschiedenen Theatern gibt es dazu mittlerweile Aktionen, darunter besonders hervorstechend die «EcoFavela Lampedusa-Nord» auf Kampnagel in Hamburg, während im Thalia Theater seit Saisonbeginn auch Nicolas Stemanns Uraufführung von Elfriede Jeli­neks «Die Schutzbefohlenen» zu...