Das Phantom des Theaters
Gaston Salvatore war eine imposante Erscheinung, ein Mann mit einer leicht gewellten Matten-Mähne, lange schwarz, später dann grau, die sein Haupt wehrhaft wie ein Helm umgab. Natürlich steckte ein weicher, musischer Kern im Kerl, das musste jedoch nicht jeder gleich merken. Und so groß, wie er auf Fotos wirkte, war er in Wirklichkeit auch nicht.
Die ersten veröffentlichten Bilder zeigen ihn kampfbewusst an der Seite von Rudi Dutschke in den APO-Demonstrationen Ende der Sechziger; er wirkt dennoch wie ein gleißendes Irrlicht, ein eleganter Revoluzzer im schwarzen Dress neben den Lederjacken- und Parka-Studenten. Dieses etwas fremdartige Phänomen stammte aus Chile, war italienisch-spanisch-englischer Herkunft und sehr weit entfernter Verwandter des 1973 ermordeten chilenischen Präsidenten Allende. So etwas gab es seinerzeit selten im Land der Gastarbeiter.
Der 1941 geborene Salvatore hatte nach einer großbürgerlichen Erziehung in Chile Jura studiert und kurzzeitig als Provinzanwalt gearbeitet, bevor ihn Stipendien u. a. von der Konrad Adenauer Stiftung (!) 1965 nach Deutschland verführten. In Berlin geriet er in Uni-Streiks und an Dutschke und wurde so etwas wie eine Ikone der ...
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Theater heute Februar 2016
Rubrik: Nachruf, Seite 63
von Michael Merschmeier
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