Angst vorm Fliegen

In Wolfgang Bauers neuem Stück, uraufgeführt in Graz, ist der Regisseur ein Teufel. Was aber täten Jungdramatiker ohne Regisseure, die ihre Stücke aus der Taufe heben? Was würde aus Gerhild Steinbuchs Erstling «Nach dem glücklichen Tag» oder Kathrin Rögglas Flugangstseminar «junk space», beide ebenfalls beim Steirischen Herbst zum ersten Mal gezeigt? Lutz Hübner war in Braunschweig und Hannover auf Hilfe angewiesen, Peter Stamm in Luzern. In Essen gab es mit dem Franko-Kanadier François Archambault eine Entdeckung und mit Woody Allens neuem Stück Altbekanntes. Diese und weitere Ur- und Erstaufführungen aus Berlin, Hamburg, Marburg, Wiesbaden und Mainz auf den nächsten Seiten.

Theater heute - Logo

Als beim Steirischen Herbst 1975 zum ersten Mal ein Stück von Wolfgang Bauer («Gespenster») gespielt wurde, war Gerhild Steinbuch noch gar nicht geboren, und Kathrin Röggla lernte gerade das Sprechen. 29 Jahre später bildeten neue Dramen der beiden jungen Autorinnen und des Seniors das Schauspielprogramm des Grazer Festivals. 

Der heute 63-jährige Bauer war in den sechziger Jahren dabei, als die Grazer auszogen, die Literatur zu erobern. Aber während etwa Peter Handke der Stadt bald den Rücken kehrte, ist der gebürtige Grazer Bauer geblieben.

Auch viele Stücke des Local Hero sind in den vergangenen Jahren über Graz nicht hinausgekommen; zuletzt hatte der Autor die Produktion ganz eingestellt. Im Auftrag des Steirischen Herbstes hat sich Bauer jetzt, sechs Jahre nach «Café Tamagotchi» (geschrieben 1998, uraufgeführt 2001), wieder an den Schreibtisch bemüht. 

Das Ergebnis heißt «Foyer» und ist – wie alle Bauer-Stücke seit den späten siebziger Jahren – eine Mischung aus philosophischer Gedankenspielerei und höherem (phasenweise auch tieferem) Blödsinn mit stark selbstreflexiver Note. Wie in «Ach, armer Orpheus!» (1991) oder «Skizzenbuch» (1996) thematisiert Bauer in «Foyer» den ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2005
Rubrik: Neue Stücke, Seite 40
von Wolfgang Kralicek

Vergriffen
Weitere Beiträge
Danke, verstanden

Wenn Kalle auftritt, hat die Regie sein Schicksal schon besiegelt: Sein Kopf ist nur noch ein geschwollenes, verbeultes Etwas aus Blut, Wunden und allem, was nach zahllosen Tritten und Schlägen noch übrig bleibt. Mit dem maskenbildnerischen Meisterwerk (Andreas Müller/Franziska Becker) wäre die Geschichte allerdings auch schon zu Ende 

erzählt. Ein gutsituierter...

Der Depp aus der Abteilungsmitte

Stromberg? Ein Arschloch natürlich. Aber trotzdem ein Chef, dem man am Ende nie etwas übel nehmen kann. Einer, der sich dauernd daneben benimmt, der taktiert, wo er sich menschlich öffnen sollte, und menschliche Offenheit spielt, wo Taktik angesagt wäre. Ein Tollpatsch. Es mangelt an emotionaler Intelligenz. Der Ehrgeiz braust, doch letztlich ist das Herz zu eng...

Jon Fosses Erben

Norwegen ist das ideale Land zum Schreiben: Die Dunkelheit, die Einsamkeit und die überwältigende Natur schaffen für Dramatiker inspirierende Bedingungen – denkt man. Auf jeden Fall funktionierte es für Henrik Ibsen 1850 und das nächste Mal 1995 für Jon Fosse, ganz im Sinne des selbstironischen Mythos der Norweger, dass in ihrem Land nur für einen Dramatiker zur...