Emotionales Multitasking

Falk Richter connected an der Schaubühne verschiedenste Musiken: «For the Disconnected Child»

Theater heute - Logo

Tatjana Winter (Ursina Lardi) heißt so, weil sie der Tatjana aus Puschkins «Eugen Onegin» nachgebildet ist, insbesondere Tschaikowskis Opern-Version; denn ihre Mutter (Borjana Mateewa) ist wiederum von Beruf Opern-Sängerin und muss als so eine Art prekäre Zweitbesetzung um den ganzen Globus jetten, um sich immer wieder als Zweitbesetzung bereit zu halten. Manchmal gibt sie in Falk Richters «For the Disconnected Child» Kostproben ihres Könnens, indem sie dann auch Arien aus «Eugen Onegin» singt.

Tatjana versucht, mit ihrer Mutter zu telefonieren, aber «die Verbindung ist so schlecht». So heißt es immer wieder.

Offensichtlich eine Metapher für das schon im Titel des Stücks anklingende Motiv des Problems der «Connection». Telefon-Verbindung als Bild für Verbindung ist natürlich, sagen wir, etwas dürftig. Vor allem dann, wenn man sich zu allerlei Gegenwartsdiagnosen aufschwingen will und den hier geschilderten Liebeskummer der geschiedenen Akademikerin, die weder persönlich im Internet noch über digitale Partnervermittlung den Richtigen findet, zur Gesellschaftskritik updaten will. Dann muss das Problem zwischen Mutter und Tocher schon über Skype zustande kommen.

Damit wäre das Niveau ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 32
von Diedrich Diederichsen

Weitere Beiträge
«Man wird nur noch als Geldmaschine wahrgenommen»

Wolfgang Kralicek Stefanie Carp, zum ersten Mal kamen Sie 2005 als Vertretung für Marie Zimmermann zu den Festwochen. Wie ist Intendant Luc Bondy damals auf Sie gekommen?

Stefanie Carp Als Christoph Marthaler und ich das Zürcher Schauspielhaus leiteten, hatten wir Luc Bondy für eine Inszenierung eingeladen, «Auf dem Land» von Martin Crimp. Als er dann eine...

In Kleingruppen frühstücken

Mit Sportmetaphern im Theater ist es so eine Sache. Schwerlich nur lässt sich der Kampf um den Sieg mit dem Kampf um ästhetische Wahrheit beschreiben. Dennoch belegt die Kulturstiftung des Bundes auch ihr aktuelles Förderprogramm wieder mit einem flotten Begriff aus dem Mannschaftssport. Nach «Heimspiel» zieht auch mit «Doppelpass» nicht unbedingt sportlicher...

«Tanzt die Kulturprogramme weg!»

Judith Engel Mag Meese eigentlich Schiller?

Jonathan Meese Schiller ist «Totalstspiel». Schiller spielt, Schiller vitalisiert. Schiller ist ohne Ideologie. Meese mag Schiller, weil Schiller Distanz ist. Schiller ist keinerlei soziale Nähe, Schiller ist kein soziales Netzwerk, Schiller ist kein Kulturkampf, kein Straßenkampf und kein Klassenkampf. Meese mag Schiller...