Klassenverhältnisse

Nurkan Erpulat, Jens Hillje «Verrücktes Blut» (RuhrTriennale, Ballhaus Naunynstraße Berlin)

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Die Geschichte funktioniert wie ein Kippbild. Je nach Betrachtung ändert sich der Eindruck. Eine Lehrerin sieht rot, nimmt ihre Schüler in Geiselhaft und hält sie mit geladener Pistole in Schach. Der Film «La journée de la jupe» von Jean-Paul Lilienfeld paukt provokativ und polemisch als melodramatischer Thriller mit Migrationshintergrund sein Pensum durch. Dabei ist die Sachlage nie eindeutig: die Täterin ein Opfer, der Terror Reaktion auf permanentes Terrorisiertwerden.

Demonstrativ fordert die Gewaltaktion das Bildungsziel ein: diszipliniert zu lernen, sich sozialverträglich zu verhalten. Während der Film in der Pariser Banlieue spielt und gegen ein hilflos mit Konzepten und politisch motivierten Rücksichten operierendes Schulsystem votiert, wechselt die Theaterfassung zu deutschen Klassenverhältnissen. Das Berliner Ballhaus Naunynstraße hat, im Auftrag der RuhrTriennale, mit dem 1974 in Ankara geborenen Regisseur Nurkan Erpulat, dem Dramaturgen Jens Hillje, Laien und Profi-Schauspielern das Konzept entwickelt: raffinierter, reflektierter und vielschichtiger als die pamphlethafte Vorlage.

Dramaturgischer Angelpunkt ist die Spielsituation selbst. Beginnend damit, dass in der ...

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Theater heute Oktober 2010
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Andreas Wilink

Vergriffen
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