Ich bin eine Ameise

Simon Stone behauptet, er befinde sich noch in seiner Regie-Lehrzeit – und er will 2018 mit dem Theater aufhören, um nicht als ewiges Supertalent verheizt zu werden

Theater heute - Logo

Unter den jungen und aufgekratzten Menschen, die an diesem Frühsommerabend an den Cafétischen vor der Amsterdamer Stadsschouwburg sitzen, ist er der Mann, der am lautesten lacht. Es ist ein dröhnendes, mark­erschütterndes Lachen, das wie ein Theatereffekt wirkt. Simon Stone trägt einen eng sitzenden dunkelblauen Anzug, er zeigt seine prächtigen weißen Schneidezähne und einen sehr sonnigen Blick aus hellblauen Augen. Immer wieder erhebt er sich höflich vom Tisch, um Schauspieler, Dramaturgen oder Freunde aus München, Wien und London zu begrüßen.

Solange er im Konversationston spricht, wirkt er, als sei er bestens aufgehoben in dieser Abendgesellschaft. Sobald er loslacht, hört sich Stone allerdings an wie der Nerd, der er in seinen Jugendjahren wohl tatsächlich war.

Er selber schildert es so: «Ich hatte mit 15 nicht viele Freunde. Damals beschloss ich, Schauspieler zu werden. Ich nahm mir ein Jahr lang in der Schule jede Woche einen Krankheitstag, trank im Bett Tee und las den kompletten Shakespeare. Meine Mutter war entsetzt, aber sie konnte nichts ausrichten. Es wäre lustiger gewesen, den coolen Typen zu spielen und auf Partys zu gehen, aber ich war dazu nicht imstande.»

 

Anderth ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Regie des Jahres, Seite 96
von Wolfgang Höbel

Weitere Beiträge
Einstürzende Relevanz-Ordnungen

Es muss eine desillusionierende Erfahrung gewesen sein für die sieben Wichtigkeitsbeauftragten der deutschen Theaterkritik, als sie auf der Suche nach den bemerkenswertesten Inszenierungen auf die Probleme des schieren Über­lebens stießen. Der Theatertreffen-Juror Bernd Noack hat im Maiheft dieser Zeitschrift beschrieben, wie er auf dem Weg in die Mittel- bis...

Bloß nicht bewegen!

Laucke, der Autor im deutschen Theaterbetrieb zu sein, der über die sozial Abgehängten schreibt und ihnen mit viel Sprachkraft und politischem Bewusstsein eine Stimme gibt: den Verlierern, den Schwachen, den Außenseitern. Und in der Tat, seit er 2007 mit seinem fulminanten Debüt «alter ford escort dunkelblau» den Getränkemarkt-Zeitarbeiter Schorse auf eine...

Wessen Freiheit?

Manche Freiheiten sind für uns so selbstverständlich, dass wir kaum noch über sie nachdenken. Die Kunstfreiheit etwa sehen wir als selbstverständliche Grundlage unserer Arbeit – und nicht als Privileg, das nicht allen Menschen im gleichen Maße zuteil wird. Wir sollten dieses Privileg deshalb besonders schützen und nutzen. Denn mit jeder Freiheit geht auch...