Was Frauen wirklich wollen
Wie wär’s mit einer Frauenfantasie? Bitte vorstellen: ein gepflegtes Bordell auf dem Lande, von außen kuscheliger Backstein-Gutshof, von innen hippe Szenebar mit Kristallklunkerlampen, Fototapeten und 70er-Jahre-Plastikwandverschalung. Die Nutten: hübsche, mitunter ziemlich schwul und angegriffen ausschauende Männer. Die Freier: attraktive, strenge, auffällig wortkarge Frauen in den besten Jahren. Die Sex-Toys: der Kostümfundus der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz.
Das Berliner Filmkollektiv Hangover Ltd.
, zu dem Christine Groß, Sophie Huber, Ute Schall und Tatjana Turanskyj gehören, haben in ihrem vierten Film «Korleput» den Spieß mit dem käuflichen Sex umgedreht und sich gefragt, was denn wohl wäre, wenn das Puff-Ding andersrum liefe. Das nachvollziehbare Ergebnis: Wenn Frauen schon so hart draufkommen, dass sie den Dienst sich prostituierender Männer in Kauf nehmen, dann sehnen sie sich nicht nach wildem Sex, sondern nach zärtlichen Rollenspielen. Nach Gatten, die der heimkehrenden Abenteurerin ins Ohr flüstern, wie sehr sie sie vermisst haben, nach Priestern, die ihnen beim gemeinsamen Gebet begehrliche Blicke zuwerfen und nach gleich zwei Reitknechten auf einmal, die die ...
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Was ist bemerkenswert? Neben all dem wunderbar gespielten und intelligent durchdachten Großstadttheater, das die Theatertreffen-Auswahl wie jedes Jahr beherrscht, sollte man auch bemerken, dass das deutsche Stadttheater gelegentlich ein paar Anstrengungen unternimmt, um aus seinem Lieblingsbereich, dem intellektuell aufgeschlossenen Spätbürgertum, auszubrechen und...
Scharlatan oder Genie? Semantischer Faulpelz oder Meister des Nicht-Gesagten? Am norwegischen Mode-Autor Jon Fosse und seinen wortkargen Dramen scheiden sich die Kritiker. Für Regisseure aber bieten diese Leerstücke dank reduziertem Personal, limitierter Psychologie und beschränkter Alltagssprache viele Sinn-Löcher, in die sie ihre eigenen Ideen stopfen können....
Maeterlinck», Christoph Marthalers neues Stück am Nationaltheater Gent, wirkt wie das Antidot zu «Winch Only» (TH 8-9/06), das er im letzten Jahr in Brüssel herausbrachte. Beides sind schlaftrunkene Welträtsel aus Melancholie und Absurdität: das Leben ein Traum, das Erwachen ein Witz und dazwischen Musik – Belgien scheint dem Schweizer gut zu tun! Doch wo in...
